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Bereits zum 13. Mal in Folge wurde der Flughafen Singapore Chaingi mit dem "goldenen Kissen" ausgezeichnet.

Foto: EPA/HOW HWEE YOUNG

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Dieser Passagier hat sich nicht unbedingt einen der bequemsten Plätze am Flughafen von Hong Kong ausgesucht. Immerhin erreicht der Airport Platz drei unter den besten Flughäfen der Welt.

Foto: REUTERS/Paul Yeung

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, für andere ist es eine billige Variante, eine Nacht zu verbringen. Schlafen am Airport kann sehr gemütlich oder äußerst unangenehm sein, je nach Flughafen.

Das Internetportal sleepinginairports.com bewertet jedes Jahr Flughäfen auf aller Welt nach ihrer Schlaftauglichkeit, ausgehend von hunderten Bewertungen durch Reisende, die selber gezwungenermaßen oder freiwillig ihr müdes Haupt auf Wartebänke oder Betonböden betten. Einige haben Flughäfen sogar als vollwertigen Hotelersatz entdeckt und sparen sich dadurch einiges an Geld für eine Unterkunft.

2009 gingen 844 Bewertungen durch Reisende auf der Seite ein, die von Donna McSherry in den 90er-Jahren als Blog begonnen wurde. Sie selber hat aus Geldmangen auf Flughäfen übernachtet und über ihre Erfahrungen berichtet. Inzwischen geben viele Reisende aus aller Welt ihre persönlichen Erfahrungen und Tipps weiter. Bei der jährlichen Bewertung spielten vier Punkte eine wesentliche Rolle: Komfort, Annehmlichkeiten, Sauberkeit und Kundenservice. Davon ausgehen ergab sich ein Ranking der besten und der schlechtesten Flughäfen.

Luxushotel mit Flugsteigen

Bereits zum 13. Mal in Folge wurde der Flughafen Singapore Changi mit der Höchstwertung, einem "goldenen Kissen" ausgezeichnet. Hier gibt es eigens Schlafsessel für müde und gestresste Reisende. Neben der herkömmlichen Ausstattung wie WiFi, Inernet-Cafés, Gebetsräume, Shoppingmalls und Restaurants, die eigentlich jeder Flughafen im Programm hat, finden gestrandete hier auch noch einen Swimmingpool, Angebote für Stadtausflüge, Massagen und ein Spa. Dazu gibt es ein 24-Stunden-Businesscenter, Videospiele und Livemusik.


Unter Palmen wartet man doch gleich nochmal so gerne auf seinen Koffer.

Wunderbar entspannen lässt es sich in den sechs Gartenanlagen, es gibt Möglichkeiten gratis Filme anzusehen sowie eigene Bereiche für ein gemütliches Schläfchen zwischendurch. Eigentlich besteht überhaupt keine Notwendigkeit, den Flughafen überhaupt zu verlassen. Die User empfehlen sogar, den Flughafen auch dann zu nutzen, wenn es an Geld für ein Hotel nicht mangelt. Angeblich sei Changi so ruhig, dass Studenten ihn sogar nutzen, um dort zu lernen. Erstmals gingen 2009 aber auch andere Meinungen zum Flughafen ein. Er wurde als "scheußlich" bezeichnet, außerdem wurde bemängelt, dass Passagiere den Airbus A320 über eine Leiter verlassen mussten.

Auf dem zweiten Platz landete der Seoul Incheon, der mit einem Kulturcenter brilliert, wo Kunst aus Korea ausgestellt wird. Dazu bietet er saubere und vor allem gemütliche Bänke, heiße Duschen, angenehme Temperaturen und in manchen Bereichen schummriges Licht, in dem es sich besonders gut schlafen lässt. Allerdings wird das teure Essen bemängelt.

Drittplatzierter Flughafen ist Hong Kong. Hier finden Passagiere zahlreiche Möglichkeiten, um sich auszuruhen, komfortable Sofas etwa. Der saubere Airport zeichnet sich außerdem durch geringe Geräuschemissionen aus, da man bei den TV-Schirmen ohne Dauerbeschallung auskommt und auch die permanenten Aufrufe zum Boarding unterlassen werden. Kostenpflichtige Lounges bieten allen Komfort, dazu gibt es nicht ganz so luxuriöse, kostenfreie Lounges mit gepolsterten Bänken, Duschen und sogar Kinderspielplätzen. Kritisiert werden hier die kühlen Temperaturen. Und man sollte nicht hungrig schlafen gehen, denn über Nacht gibt es keinen Möglichkeit, an Essen zu kommen.

Auf Platz vier landete der Flughafen Schiphol in Amsterdam, gefolgt von Dubai (5), München (6), Kuala Lumpur (7), Frankfurt Main (8), Zürich (9) und Kopenhagen (10).

Vorsicht: Französische Gastfreundschaft!

Der mieseste Flughafen zum Übernachten ist Paris Charles de Gaulle. Zusammenfassend erklärt ein User „what a shit hole". Etwas ausführlicher Formuliert bedeutet das: Das größte Problem dieses Aiports ist das Personal. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man sich - egal ob man nur kurz vorbeischaut oder länger bleiben möchte - auf "französische Gastfreundschaft" einstellen sollte. Vom Zeitpunkt der Ankunft bis zum Moment der äußerst ineffizienten Passkontrolle beim Verlassen ist man umgeben von schnatterndem, lachenden Personal, dass sich wenig um die Anliegen der Passagiere schert, die die meiste Zeit zwischen Nervenzusammenbruch oder tätigen Übergriffen schwanken.


Das Personal ist zwar unfreundlich, aber dafür schläft man auch richtig schlecht.

Und wehe, wehe man verpasst einen Anschlussflug und braucht tatsächlich Hilfe. Da hilft kein Toben und Schreien, kein Bitten und Betteln: "Der Typ am Schalter erklärte uns, er würde nicht mit uns reden, weil wir uns nicht gebührlich benehmen würden und er spräche nur mit Menschen, die sich ordentlich benehmen können", schreibt etwa User agatek über seine Erfahrungen. Und er wünscht allen viel Glück, die versuchen wollen, sich in dem Schilderwald zurechtzufinden. Ein User namens Sophs schreibt: "Ich habe ewig gebraucht, um jemanden zu finden, der uns den richtigen Weg beschreiben konnte (mein Freund spricht fließend Französisch)".

Auf Platz zwei der miesesten Flughäfen landete Moskau, Sheremetyevo. Dreckig, chaotisch und Zigarettenrauchverpestet sind die Eckdaten zu diesem Reiseärgernis. Dazu kommt noch das unfreundliche Personal, das auf Freundlichkeit mit Ignoranz reagiert. "Die Paar Leute die Englisch sprechen, nutzen ihre Sprachkenntnisse, um die Passagiere zu beleidigen", heißt es von einem User. Es gibt hier zwar einige Bänke auf denen man ganz gut schlafen kann, aber leider ist die Anzahl stark begrenzt.

Der JFK in New York kommt ebenfalls nicht gut weg und verdient sich seinen dritten Platz durch endlose Hektik, mangelnde Sitzgelegenheiten, ständige Lautsprecherdurchsagen, unfreundliches Personal an den Schaltern und beim Securitycheck und geschlossene Restaurants während der Nachtstunden. Aber wenn man vor lauter Hunger oder Lärm nicht schlafen kann, kann man zumindest WiFi nutzen - sofern man seinen eigenen Laptop dabei hat. Auch der Airport von Los Angeles zeichnet sich durch negative Eigenschaften aus: kalt, harte Bänke, lärmendes Reinigungspersonal, Baulärm, das beinahe schon obligatorische unfreundliche Personal, Lautsprecherdurchsagen, geschlossene Läden und Restaurants während der Nacht und außerdem wird man auch noch angeschnorrt. Auf der Liste der schlimmsten Flughäfen nicht fehlen darf natürlich Delhi in Indien, obwohl sich hier in den letzten Jahren eine Veränderung zum Besseren abzeichnet. Immer noch mangelhaft ist die Temperatur, die als zu kalt bemängelt wird, fehlende Sitzgelegenheiten und Lärm. Auf Platz sechs liegt der Flughafen Hanoi gefolgt von Manila (7), Fiumicino in Rom (8), Frankfurt Hahn (9) und London Heathrow (10). (ham/derStandard.at/22.1.2010)