Ein "out of the box thinking" mit einer klaren Idee von sozialem Wandel zeichne Social Entrepreneurs aus, sagt Johanna Mair

Foto: Standard/Matthias Cremer

Es sei an uns, ob das Thema Social Entrepreneurship einfach nur zum "Hype" verkomme oder nicht. Klare Worte, von einer, die es wissen muss. Vergangenen Montag trug Johanna Mair, Professorin für strategisches Management an der IESE Business School, auf Einladung von icep - Institut zur Cooperation von Entwicklungs-Projekten, im Rahmen des "corporAID Multilogue" vor - ein Lernforum mit internationalen Experten der österreichischen Initiative für Wirtschaft und globale Entwicklung (corporAID).

Ein "Hype" deshalb, weil das Themenfeld des Sozialunternehmens auch verschiedene Bereiche "penetriere" , erklärt Mair - die Finanzen etwa im Bereich der Social Investments oder in der Erschließung und im Aufbau neuer Märkte sowie im Unternehmertum bei der Entstehung neuer Organisationsformen, sagt sie. Das Sozialunternehmen als Hybrid zwischen profit- und sozialorientierter Organisationsform habe in den vergangenen Jahren einen erheblichen Professionalisierungsschub geleistet - das Ziel sei aber noch lange nicht erreicht. "Die Mindsets sind noch sehr unterschiedlich, es gibt Berührungsängste zwischen Profit- und Non-Profit-Unternehmen, mangelndes Vertrauen, aber auch strategische Ziele - die eigenen wie auch die des potenziellen Partners - werden häufig nicht genauer hinterfragt, sodass eine Zusammenarbeit häufig nur aus Gründen der Reputation zustande kommt" , was wiederum auch nicht des Pudels Kern sei, so Mair sinngemäß.

Das wirklich Gute und Inspirierende am Thema Social Entrepreneurship sei, dass es einem erlaube, bestimmte Dinge einfach auch einmal infrage zu stellen. "Wissen Sie" , kommt Mair ins Grübeln, "es hat ja Gründe, warum wir in manchen Bereichen in eine Sackgasse gekommen sind." Es bedarf Mutes, Kreativität und Denkleistungen, um Probleme wie Armut und auch "neue Themen" , etwa in der Energie, gut lösen zu können, auch bestehende Dynamiken aufzuwiegeln.

Wandel nicht im Alleingang

Es gilt, veraltete Modelle aufzubrechen, neue zu kreieren und dafür auch Strukturen für eine Verankerung zu schaffen, sagt Mair. Drei Mechanismen sind für Mair dafür zentral:

  • Das Undenkbare denken. Es gibt bereits, so Mair, zahlreiche innovative Lösungen für ein breites Spektrum gesellschaftlicher Probleme.
  • "Proof of Concept" . Es gilt zu beweisen, dass und wie diese Lösungen funktionieren. Ein Bereich, sagt Mair, über den sich viele Unternehmen und auch Regierungen nicht drübertrauen, weil sie mit zu viel Risiko behaftet sind. Danach gelte es,
  • neue Verhaltensmodelle zu institutionalisieren, profitable Modelle gemeinsam mit Partnern auf feste Beine zu stellen. Denn, sagt Mair, einen echten Wandel zu vollziehen werde sicher keine Einzelleistung sein, dazu brauche es die Energie und den Einsatz aller Beteiligten.

Sie selbst halte von heroisierenden Merkmalen erfolgreicher Social Entrepreneurs wenig, sagt Mair, wenngleich es sicherlich durchgängige Verhaltensmerkmale gebe. In jedem Fall müsse man ein "Motivierer" sein, einer oder eine mit Durchhaltevermögen und der ausgeprägten Fähigkeit, soziale Netzwerke für sich und die Sache zu nutzen. Erfolgreich seien auch jene, die die Sprache des Partners sprechen können, ohne ihre eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren. Mair: "Es ist wichtig zu wissen, was genau ich von wem benötige - und was nicht."

Viele ihrer Studenten stellen sich immer häufiger die "Sinnfrage" . Besonders in "High-Power-Berufen" wie der Beratung trete dieses Phänomen auf, auch bei Vertretern der älteren Generation. In dem Konzept einer Karriere nach der Karriere, sagt Mair, stecke Potenzial. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.1.2010)