St. Pölten/Krems - Wer es sich leisten kann, zwölf Semester lang jeweils 12.000 Euro Studiengebühren zu bezahlen, kann seit Oktober vergangenen Jahres an der Danube Private University (DPU) in Krems Zahnmedizin studieren. "Praxis voll gesichert" , verspricht die Homepage der DPU den Studierenden: "Mit den Landeskrankenanstalten Niederösterreich (...) bestehen Kooperationsverträge für Famulaturen und Praktika."

Eine Resolution, die überraschend am Donnerstagabend einstimmig im niederösterreichischen Landtag beschlossen wurde, besagt etwas völlig anderes: "Hinsichtlich der Praktika besteht keine Verpflichtung der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding bzw. des Landes. Dies sollte daher auf der Homepage der DPU berücksichtigt werden" , und weiter:"Ob darüber hinaus die notwendigen Praktikumsplätze bestehen, wäre zu klären." VP und Grüne haben die Resolution eingebracht, mit der nun die Landesregierung aufgefordert wird, die Akkreditierung der Zahn-Uni überprüfen zu lassen.

"Keine Übereinkommen"

Eine Zusammenarbeit zwischen dem Land und der DPU wurde vergangenes Jahr mit einem Letter of Intent - also einer Absichtserklärung - besiegelt, allerdings nicht vom zuständigen Landesrat Wolfgang Sobotka (VP), sondern von den Geschäftsführern der Landeskliniken-Holding. Auf eine offizielle Anfrage der grünen Landtagsabgeordneten Helga Krismer antwortete Sobotka im November vergangenen Jahres: "Hinsichtlich Zusammenarbeit der DPU mit der Landeskliniken-Holding gibt es keine Übereinkommen." Denn der Letter of Intent ist nun bedeutungslos - "mangels Abschluss einer weiteren Vereinbarung" , wie es in der Resolution des Landtags heißt, die innerhalb von drei Monaten ab der Akkreditierung abgeschlossen werden hätte müssen.

Die Zahnärztekammer protestiert seit Monaten gegen das Privat-Studium im Krems. Mitte Dezember langte eine Petition mit fast 6300 Unterschriften bei Landtagspräsident Hans Penz (VP) ein, unterfertigt unter anderem vom Präsidenten der niederösterreichischen Zahnärztekammer, Hannes Gruber. Darin hegen die Ärzte Qualitätsbedenken und fordern das Land auf, "eine öffentliche Unterstützung für die Errichtung einer privaten Zahnklinik zu überdenken" - was nun offenbar passiert ist.

Nun ist es an Landeshauptmann Erwin Pröll (VP), beim Wissenschaftsministerium die Überprüfung der Akkreditierung zu beantragen.

Das Ministerium leitet diesen Antrag wiederum an den Akkreditierungsrat weiter. Das Gremium hat das Zahnarztstudium an der DPU im Sommer vergangenen Jahres für fünf Jahre genehmigt. Hält der Akkreditierungsrat die fehlende Kooperation mit den niederösterreichischen Krankenhäusern für gravierend, kann er den Uni-Betreibern einen Nachbesserungsauftrag erteilen - oder die Akkreditierung gänzlich entziehen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2010)