Kitzbühel - "Dass wir so viel für den Tourismus tun, hätten wir nicht gebraucht!" Selbst Österreichs Alpinchef Hans Pum packte das sieglose Kitz-Wochenende seiner Herren am Ende in ein als Witz verkleidetes Kompliment an Felix Neureuther. Dass der 25-jährige Sohn von Olympiasieger Christian Neureuther seinen ersten Weltcupsieg ausgerechnet in Kitzbühel feierte, freute praktisch alle. Die Erleichterung war Neureuther deutlich anzusehen. Denn das Leben mit einem so großen Namen, kann auch zur Bürde werden.

Sechs Podiumsplätze hatte Neureuther in seinen 106 Weltcuprennen vor dem Kitz-Slalom geschafft. "Heute ist ein Traum wahr geworden. Ich tu' mir enorm schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen", war der Sohn der beiden deutschen Skilegenden Christian Neureuther und Rosi Mittermaier selbst mehrere Stunden nach seinem Premierensieg noch hin- und hergerissen. "Es macht mich so stolz, auf dem gleichen Hang wie mein Vater gewonnen zu haben. Hoffentlich bekomme ich die Gondel hinter der seinen!"

Schlechter Start

Dabei war der Sohn prominenter Eltern alles andere als gut in die Saison gestartet. Nach den Ausfällen in Levi und Alta Badia habe er sogar bereits Motivationsprobleme gehabt, gestand Neureuther. Nicht zuletzt auch wegen seiner Meinung nach oft ungerechtfertigter, medialer Kritik. Welch Glück, dass die Weihnachtspause kam. "Ich hab' mich mit Kumpels getroffen, habe zu Silvester so richtig einen draufgemacht und mir vorgenommen, nochmals bei Null zu beginnen", erzählte der Bayer. "Felix, das wird dein Jahr", habe er sich damals gesagt.

Es scheint funktioniert zu haben. Auch dank der Hilfe seines ehemaligen Teamkollegen Alois Vogl. Als er beim FIS-Slalom in Westendorf nach Lauf eins ebenfalls Dritter gewesen war, habe ihm Vogl geraten, dies als Kitz-Test zu nehmen. Neureuther fuhr prompt bei der Kitz-Generalprobe noch zum Sieg und tat dies drei Tage später auch am Ganslern.

Journalisten den Mund gestopft

Damit, so Neureuther, sollte er nun auch unfairen Journalisten den Mund gestopft haben. "Es gibt welche, die haben auch noch eine Freude, auf dich draufzuhauen, wenn es gerade nicht läuft! Jetzt brauchen sie mich nicht mehr nach meinen ersten Sieg zu fragen."

Sein mit 70.000 Euro versüßter Premierensieg sei auch in anderer Hinsicht eine Riesenerleichterung, gestand der Slalom-Spezialist. "Es gibt viele Sportler, die mit einem großen Namen auf die Welt kommen. Man wächst mit einem ganz besonderen Druck auf, weil man ständig im Fokus ist. Deshalb schaffen es auch wenige nach ganz oben", lautete seine Erklärung.

Wie die ebenfalls aus Garmisch-Partenkirchen kommende Maria Riesch bei den Damen ist Neureuther bei den Herren jener Läufer, der den Alpinsport in Deutschland hoch hält. Die Kunde von seinem Kitzbühel-Sieg könnte mithelfen, wieder für positive Stimmung zu sorgen, ist auch Benjamin Raich überzeugt. "Kitzbühel ist der richtig Ort für den ersten Sieg, das wird man jetzt hoffentlich auch in Deutschland registrieren. Felix war überfällig für einen Sieg", sagte der Tiroler. (APA)