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Felix Neureuther wurde von seinem ersten Weltcupsieg niedergestreckt.

Foto: Reuters/Leckel

Kitzbühel - Just am Ganslernhang, wo sein Vater Christian anno 1979 gewonnen hatte, gelang Felix Neureuther der erste Weltcupsieg seiner Karriere. Mama Rosi Mittermaier hatte zwar nicht in Kitzbühel gewonnen, aber dafür wurde sie 1976 in Innsbruck Olympiasiegerin in der Abfahrt und im Slalom. "Ich bin fertig" , sagte der 25-Jährige aus Partenkirchen, der mit 70.000 Euro belohnt wurde.

Die deutsche Fahne

Noch am Samstag hatte eine deutsche Fahne inmitten der österreichischen, schweizerischen, slowenischen, italienischen, kroatischen und so weiter für etwas Gelächter gesorgt, doch am Sonntag lachten dann die anderen. Die Deutschen natürlich, aber auch die Kroaten mit Ivica Kostelić, dem Hahnenkammsieger, der die Kombi aus Abfahrt und Slalom gewann. Belohnt wurde auch Benjamin Raich, der Slalom-Vierte, er holte den Kombi-Weltcup. Es handelt sich bereits um die siebente Kugel für den Pitztaler, der 2006 den Gesamtweltcup gewann. "Das ist bitter" , sagte Reinfried Herbst. Genau wie im Vorjahr schied der Salzburger nach Bestzeit im ersten Lauf im Finale aus. Trost: Wenn er beim Kopieren des vergangenen Winters bleibt, dann gewinnt er am Dienstag wieder den Nachtslalom in Schladming.

Der herzliche Schweizer

Didier Cuche beliebte zu scherzen, entschuldigte sich bei ganz Österreich für seine Taten auf der Streif. Schließlich hatte der 35-Jährige als dritter Mann nach Hermann Maier (2001) und Stephan Eberharter (2002) das Double bestehend aus Super-G und Abfahrt gewonnen. Freilich lag es aber nicht einmal in der Macht des starken Schweizers, die vorolympische Saisonbilanz der österreichischen Abfahrer entscheidend zu verschönern. Auch Sloweniens Andrej Sporn und Italiens Werner Heel verwehrten den Österreichern den ersten Sieg.

Die Skigroßmacht ist zwar nicht mehr das, was sie einmal war, aber durchaus konkurrenzfähig. Mario Scheiber verfehlte als Vierter das Podest knapp, Hans Grugger, der nach einigen schweren Verletzungen der Spitze immer näher kommt, schaffte als Sechster das ÖOC-Limit für die Olympischen Spiele, die in knapp drei Wochen, am 13. Februar, mit dem Abfahrtslauf so richtig anheben. Bis dahin sollte Michael Walchhofer, der am Hausberg ins Netz flog, wieder fit sein. Und vielleicht spielt es ja auch ein Deja vu. Auch vor den Olympischen Spielen 1992 waren Österreichs Abfahrer im Weltcup sieglos geblieben. Und Patrick Ortlieb gewann Gold.

Didier Cuche zeigte wieder einmal sein großes Herz. Der Aktion "Downhiller for Haiti" ließ er, der für seine beiden Siege 120.000 Euro lukrierte, zusätzliche 20.000 Euro zukommen. Bis 31. Jänner noch werden die signierten Startnummern der Abfahrer auf www.ebay.at versteigert. Cuche hatte im Vorjahr zehn speziell designte Helme versteigern lassen, der Erlös von 15.000 Schweizer Franken kam dem schweizerischen Skinachwuchs und Waisenkindern zugute.

Werner Heel nutzte die Pressekonferenz der ersten Drei dafür, sich öffentlich bei Cuche zu bedanken und den Herrn, dem Bruce Willis manchmal ziemlich ähnlich schaut, zu loben: "Als ich ihn bei der Besichtigung um Rat fragte, erklärte er mir die Linie. Danke Didier." Cuche: "Das mach ich jetzt nicht mehr." Naturgemäß ist jetzt der Schweizer der Topfavorit bei der Olympiaabfahrt in Whistler Mountain. "Gut so. Ich bin lieber der Gejagte als der Jäger. Der Jäger steht unter größerem Druck. Und unter größerem Druck macht man Fehler."(Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe, 25.1.2010)