Am 6. Februar richtet Motocross-Legende und Enduro-Profi Joe Lechner zum zweiten Mal das Snow-Speedhill im oberösterreichischen Eberschwang aus. Fünf bis sechs Piloten starten gleichzeitig, um so schnell wie möglich die klassische Viertelmeile ganz unklassisch bergauf über den Schlusshang einer Skipiste hinter sich zu bringen. Letztes Jahr war Michi Ranseder der Publikumsmagnet, heuer setzt der Michi aus - er muss am Montag zu Tests nach Spanien und will sich vorher keinen Schnupfen holen, weshalb er nur als Zuschauer und nicht als Starter dabei sein wird.

Fotos: bikercom

Die Funktion des Publikumsmagneten übernimmt heuer Sandra Plasser. Die 23-jährige Bürokauffrau aus Vöcklabruck hat vor nicht einmal zwei Jahren beim Veranstalter Joe Lechner das Endurofahren erlernt, und schon hetzt er sie über den Berg. "Letztes Jahr hab ich nur zugeschaut. Aber schon damals hätte es mich gereizt, die Buben Schnee fressen zu lassen. Heuer ist es ja endlich soweit", fiebert Sandra dem Rennen entgegen und weiß auch schon, was sie dem Vorjahressieger Robert Jonas sagen wird, sollte sie ihn vor dem Start treffen: "Der soll sich warm anziehen. Nur weil klar ist, dass ich gegen ihn keine Chance haben werde, heißt das nicht, dass ich kampflos das Feld räume, sollten wir beim einen oder anderen Lauf gemeinsam starten. Hergeschenkt wird nix, und wenn er patzt, wird er von mir paniert."

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Start im Fünfer- und Sechserpulk

Die Strecke kennt Sandra nur vom Zuschauen im letzten Jahr, aber sie wird sich den Hang noch genau anschauen: "Ein Lokal-TV-Sender macht einen Vorbericht, und den Dreh werd ich nutzen, um ein paar Mal rauf zu fahren. Das wird, gemeinsam mit dem offiziellen Training am 6. um 14:00 Uhr, schon reichen." Und vorm Massenstart fürchtet sie sich auch nicht: "Wenn da fünf aufheulende Motorräder neben dir stehen, da schießt dir das Adrenalin ein, dass es nur so rauscht. Und für die Zuschauer ist ein Mann gegen Mann und in meinem Fall gegen Frau Start natürlich auch viel spannender. Ich muss halt nur schauen, dass ich gleich gut wegkomme. Mir ist lieber, ich schmeiß den anderen den Schnee ins Gesicht als sie mir."

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Wer den Start gut erwischt, hat mitten im Hang schon ordentlich Speed drauf. Zart Besaitete gehen dann vom Gas, die wilden Hunde bleiben voll drauf. Mitten im Hang ist nämlich ein Sprung, der bis zu 40 Meter weit geht. Wie wird Sandra die Schlüsselstelle angehen? "Na ich hoffe, dass ich dort der Konkurrenz regelrecht davon fliege. Gegen die Männer bin ich ja ein Leichtgewicht, die 150er KTM ist sicher auch das leichteste Moped im Rennen. Also da müsste ich notfalls auch noch einen Platz gutmachen können." Vor einem Sturz fürchtet sich Sandra nicht: "Geh bitte, im schlimmsten Fall liegst im Schnee. Was soll da sein?"

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Mit der 150er KTM gegen die HP2

Die KTM 150 SX ist Sandras neue Zweitakter. 2008 fuhr sie noch Viertakter, als sie aber mehr Motocross-Rennen als Enduro fuhr, stieg sie auf eine 125er-Zweitakter um. Mit der holte sie sich dann 2009 auch gleich den Gesamtsieg im Supercup in der Klasse MX Open Ladies. Mit der jetzt neuen 150er meint sie, entscheidende Vorteile gegenüber schweren Maschinen zu haben. "Der Sedlmaier Alex startet gar mit der HP2. Da weiß ich nicht, ob die BMW die starke Leistung auf den Schnee bringt. Die Gefahr, dass sie sich eingräbt, ist groß. Obwohl der Alex halt schon ein sehr guter Fahrer ist."

Fotos: Gerald Schlager

Mit Startnummer 12 wird Sandra in Eberschwang starten. Die niedrige Nummer hat sie nicht, wie die Vorjahressieger und Vize-Staatsmeister, wegen ihres Cup-Sieges, meint sie, sondern: "Die Nummer hatte ich beim Supercup, und die brachte mir viel Glück. Da hab ich dem Joe tief in die Augen geschaut, und schon hatte ich fürs Speedhill die gleiche Nummer. Und wie es dann ums Nenngeld ging, hab ich ihn einmal kurz angelächelt, und damit war auch das klar. Dafür starte ich natürlich wie immer für Lechners Terra X-Dream-Team."

Fotos: Gerald Schlager

Die Telefonnummer

Sandra ist sich aber sicher, dass sie nicht die schnellste Frau am Berg sein wird. Sabine Pulz wird nämlich in der Neigungsgruppe Vierrad mit einem Quad starten. "Die haben natürlich mehr Traktion, die Sabine fährt sehr gut, da hab ich mit dem Moped keine Chance." Eine Chance hat sie allerdings als Publikumsliebling: "Meinst, stech ich mit dem pinken Motorrad so raus?" Und Angst vor Autogrammjägern, die nur ihre Telefonnummer als Signatur gelten lassen, hat sie auch nicht: "Da wird mein Freund, der Thomas, schon auf mich aufpassen."

Fotos: Gerald Schlager

Das Snow-Speedhill-Race in Eberschwang startet am 6. Februar um 14:00 Uhr mit den Trainingsläufen. Um 16:00 Uhr beginnen die Vor-, um 18:00 Uhr die Finalläufe. Der Eintritt für Kinder unter 15 Jahren ist frei, alle anderen brennen 5 Euro, um Sandra racen zu sehen. (Guido Gluschitsch, Fotos: Gerald Schlager, bikercom)

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