Wien - Die Rektoren von Universität Wien und Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, Georg Winckler und Christoph Badelt, sehen sich durch den präsentierten Bericht des Rechnungshofs (RH) in ihrer Ansicht bestätigt, dass die Budgetentwicklung dem Ansturm der Studierenden nicht standhält. Die Betreuungsrelationen könnten von den Unis nicht alleine verbessert werden, es liege an den politischen Entscheidungsträgern, die längst beschlossene Steigerung der Uni-Finanzierung rasch umzusetzen, so die beiden Rektoren in einer Aussendung.

Beide Universitäten hätten ihre Autonomie dafür genutzt, mehr Personal einzustellen, um die Betreuungsrelationen zu verbessern. Doch die Wirkung sei ausgeblieben, da die Universitäten zwei dafür wesentliche Rahmenbedingungen nicht gestalten können: die Höhe der Budgets und die Anzahl der Studierenden. "Die Budgetentwicklung macht es unmöglich, die Steigerung der Studierendenzahlen aufzufangen. Die Steigerung des Personals und der damit verbundenen Kosten war allein notwendig, um das bestehende Betreuungsniveau bei einer deutlichen Steigerung der Studierendenzahlen zu halten", so Winckler und Badelt.

Betreuungsrelationen "weiterhin ungünstig"

Der Rechnungshof hat einen Bericht veröffentlicht, der die Folgen der Personalhoheit auf die Gesamtkostensituation von Universität Wien und Wirtschaftsuniversität (WU) Wien untersucht hat. Demnach hat das 2004 in Kraft getretene Universitätsgesetz 2002 den Unis u.a. im Personalbereich zwar einen weitgehend autonomen Handlungsspielraum eröffnet. Keine Auswirkungen hatte diese Personalhoheit aber auf die Betreuungsrelationen, diese blieben "weiterhin ungünstig".

Beide Unis hatten sich in ihren Leistungsvereinbarungen mit dem Bund (2007-09) eine Verbesserung der Betreuungsrelationen vorgenommen. Laut RH ist das nicht gelungen. An der Uni Wien konnte zwar die Steigerung der Studentenzahl durch mehr Lehrpersonal aufgefangen werden. Dennoch kamen 2008/09 noch immer 190,7 Studenten auf einen Professor (2006: 192 Studenten) bzw. 32,2 Studenten auf einen Lehrenden (2006: 32,1).

Situation an WU dramatisch

Noch dramatischer ist die Situation an der WU: Diese "wies nicht nur die mit großem Abstand schlechteste Betreuungsrelation aller österreichischen Universitäten" auf, wie es im Bericht heißt, sondern es verschlechterten sich auch diese Relationen entgegen der Zielsetzung. Der Grund: Der Anstieg bei der Studentenzahl konnte durch die Zuwächse beim Lehrpersonal nicht wettgemacht werden. So kamen 2008 bereits 330,9 Studenten auf einen Professor bzw. 44,8 auf einen Lehrenden, 2006 waren es erst 296,3 bzw. 42,7.

Von 2004 bis 2008 erhöhte sich der Personalaufwand an der Uni Wien um 73 Millionen Euro (plus 36 Prozent), an der WU um 14,3 Millionen Euro (plus 29 Prozent). Gemessen am Gesamtaufwand stieg der Anteil der Personalkosten in diesem Zeitraum an der Uni Wien von 57 auf 60 Prozent, an der WU blieb er mit rund 63 Prozent ungefähr gleich. Die Anzahl der Vollbeschäftigungsäquivalente (VBÄ) des haupt- und nebenberuflichen Uni-Personals nahm um 21 Prozent an der Uni Wien und um 18 Prozent an der WU Wien zu.

Kritik an Prämien für Rektoren

An beiden Unis gehörten Ende 2008 rund zwei Drittel der Uni-Mitarbeiter dem wissenschaftlichen Personal an, der Rest dem allgemeinen Personal - eine Aufteilung, die sich seit 2004 kaum geändert hat. Bemerkenswert ist, dass an beiden Unis "ein nicht unbeträchtlicher Anteil des wissenschaftlichen Personals", nämlich rund 42 Prozent, von "nebenberuflichen wissenschaftlichen Mitarbeitern (Lehrbeauftragten, Drittmittelbeschäftigten, etc.)" gestellt werden.

Kritisiert wird vom RH, dass an Rektoren und Vizerektoren Prämien, die an die Erreichung bestimmter Ziele gebunden waren, ausbezahlt wurden, obwohl das Ausmaß der Zielerreichung durch einzelne Rektoratsmitglieder "weder dokumentiert noch quantifiziert" war. Zufrieden zeigte sich das Kontrollorgan, dass die beiden Unis die durch die Autonomie bestehende Gestaltungsfreiheit nutzten und bei den Entgeltvereinbarungen marktwirtschaftlich vorgingen. So bewegten sich etwa die Bezüge von 71 Prozent (Uni Wien) bzw. 80 Prozent (WU) der seit 2005 aufgenommenen Professoren in der unteren Hälfte der Gehaltspyramide. (APA)