Ideengeberin Maria Montessori soll einst von einem kleinen Mädchen gebeten worden sein: "Hilf mir, es selbst zu tun."

Foto: STANDARD/Regine Hendrich

Wien - Kindererziehung ist nichts für Entscheidungsschwache. Hat man erst einmal Pro und Kontra von Latex- und Silikonschnullern durch, über die Vor- und Nachteile von Fertigkost und Selfmade-Brei befunden und den passenden Kinderwagen gewählt, steht bereits die nächste Entscheidung an: In welchen Kindergarten schicke ich mein Kind?

Neben den vielen Regelkindergärten stehen Eltern vor der Wahl mehrerer pädagogischer (meist privater) Alternativen: Waldorf und Montessori sind wohl die bekanntesten unter ihnen. Naturfans schicken ihre Kinder mitunter in einen sogenannten Waldkindergarten. Und wer seinem Kind von früh an das Wesen der Demokratie näherbringen will, der ist in einer Reggio-Gruppe (benannt nach der italienischen Stadt Reggio Emilia, dem Zentrum der Reggio-Pädagogik) am besten aufgehoben.

Doch der Reihe nach. Verkürzt dargestellt, arbeiten die Pädagogen im Waldorfkindergarten nach den Prinzipien Nachahmung und Vorbildwirkung, Rhythmus und Wiederholung, sowie Sinnespflege und Phantasieförderung. Wenn also die Tante (die dort häufig noch so genannt wird) beispielsweise einem Kind die Lehre des Anthroposophen Rudolf Steiner näherbringt, dann näht und klöppelt sie, streicht die Jausenbrote mit Unterstützung der Kinder, spielt Puppentheater mit ihnen. Das alles geschieht in immer gleicher Reihenfolge, jeder Wochentag hat seinen Schwerpunkt. Will ein Kind Kaufmannsladen spielen, findet es im Waldorfkindergarten unter anderem Eicheln und Kerne im Warensortiment.

Die Montessori-Kindergruppen, beziehungsweise die Kleinkindpädagoginnen mit Montessori-Ausbildung, sind eine wachsende Größe. Wie viele "reine" Montessori-Kindergärten es österreichweit gibt, kann man beim Bundesverband leider nicht beantworten. Fix ist allerdings: Wer seine Gruppe nach dem Montessori-Konzept führt, hält sich an den zentralen Grundsatz "vom Greifen zum Begreifen". Wenn ein Kind also in eine mit speziellem Montessori-Material "vorbereitete Umgebung" kommt, kann es selbst entscheiden, welches der sich ihm bietenden Angebote es wahrnimmt. Ideengeberin Maria Montessori soll einst von einem kleinen Mädchen gebeten worden sein: "Hilf mir, es selbst zu tun." Eine Handlungsanleitung, die das dahinterstehende Konzept wohl am treffendsten erklärt.

Stichwort Waldkindergarten: Diese Outdoor-Bildungseinrichtungen gibt es seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts, entstanden sind sie in Norwegen, Schweden und Dänemark. Den Großteil des Tages verbringen die Kinder im Wald, auf Wiesen oder Feldern. Ein Kaufmannsladen wäre hier wohl ein auf dem Wegrand liegender Baumstamm. In Österreich gibt es entsprechende Konzepte u.a. in Saalfelden, Maria Saal und Krems.

Die Reggio-Pädagogen haben es sich wiederum zum Ziel gemacht, die Autonomie und den Gemeinschaftssinn der Kinder besonders zu fördern. Der Kindergarten wird von Eltern und Pädagogen gemeinsam geleitet, Hierarchien gibt es nicht. Und, ja, es wird gezielt darauf geachtet, auch männliche Bezugspersonen einzubeziehen. Gearbeitet wird in Projekten, deren Verlauf auf sogenannten "sprechenden Wänden" dokumentiert wird.

Wer eines der Kindergartenmodelle gewählt hat, darf kurz verschnaufen. Er hat nun ein paar Jahre Zeit bis zur nächsten großen Entscheidung, die anfällt: In welche Volksschule wird der Nachwuchs geschickt? (Karin Moser, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2010)