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Offener Brief der WittgensteinpreisträgerInnen: War der Aufholprozess umsonst?

Wien - Österreichs Wittgensteinpreisträger sorgen sich um den heimischen Aufholprozess  im Bereich Forschung. In einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief fordern sie die Regierung auf, die "eben gekürzte Forschungsförderung dringendst wieder zu erhöhen". "Will Österreich in Forschung und Entwicklung nicht zurückbleiben, dann muss es auf beide, Grundlagen- und angewandte Forschung setzen. Der Motor der Innovation ist und bleibt aber die Grundlagenforschung", betonen die Träger der höchsten Wissenschafts-Auszeichnung Österreichs.

Für die mehr als 20 Wissenschafter, die bisher den Wittgensteinpreis erhalten haben, ist es ein Gebot der Stunde, die Forschungsförderung zu steigern. Während andere Länder wie die USA und Deutschland auf die Wirtschaftskrise gerade mit verstärkter Forschungsförderung reagiert hätten, habe die österreichische Spitzenforschung im Vorjahr budgetmäßig einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen müssen. Dadurch ergebe sich ein erheblicher Wettbewerbsnachteil.

Spitzenforschung könne nur im Wettbewerb entstehen und sich weiterentwickeln. Daher fordern die Wittgensteinpreisträger eine "wesentliche Aufstockung" der Mittel für die Forschungsförderungsagenturen wie etwa den Wissenschaftsfonds FWF, die kompetitiv und unter internationaler Begutachtung vergeben werden. Weiters verlangen die Spitzenwissenschafter die international übliche Vollkostenfinanzierung von Forschungsprojekten, also die Wiedereinführung der im Vorjahr ausgesetzten ,,Overhead"-Zahlungen. Außerdem sollten die Mittel für die vom FWF schon länger geplante Exzellenzinitiative zur Verfügung gestellt werden.

Wundern über Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung

"Verwundert" sind die Wittgensteinpreisträger über "teilweise dissonante Töne von einigen Spitzenfunktionären der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung, die Grundlagenforschung in Österreich generell in Frage stellen". So soll etwa Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl bei der Auftaktveranstaltung für die geplante Forschungsstrategie erklärt haben, Österreich brauche keine Grundlagen-, sondern angewandte Forschung. "Diese Haltung ist deswegen verwunderlich, als wir der Meinung waren, dass die Notwendigkeit qualitätsmäßig ausgezeichneter Grundlagenforschung in Österreich außer Streit steht", heißt es in dem Brief.

Zudem zitieren die Wittgensteinpreisträger den Bereichsleiter für Forschung in der Industriellenvereinigung, Gerhard Riemer, der erklärte habe, Universitäten, Wirtschaft und Gesellschaft befänden sich in Österreich in einer Schicksalsgemeinschaft. "Wir fordern daher die Spitzen der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung auf, in das von Riemer angesprochene 'gemeinsame Boot' zurückzukehren." (red/APA)