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Shimon Peres sprach als erster israelischer Staatspräsident am Holocaust-Gedenktag vor dem Deutschen Bundestag

Foto: APA/EPA/Rainer Jensen

Berlin/Wien - Die deutsche Regierung und der deutsche Bundestag haben den Holocaust-Gedenktag am Mittwoch mit einem besonderen Gast begangen: In einer Rede im Bundestag forderte der israelische Staatspräsident Shimon Peres Deutschland und die ganze Welt auf, noch lebende NS-Verbrecher vor Gericht zu stellen: "Ich bitte Sie, tun Sie alles, um diesen Verbrechern ihre gerechte Strafe zu erteilen." Es gehe dabei nicht um Rache, sondern "um Erziehung" , erklärte der 86-jährige Friedensnobelpreisträger.

Peres schilderte auch, wie nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im damaligen polnischen Wischnewa (heute Weißrussland) alle Juden der Stadt in die Synagoge getrieben und verbrannt wurden. Dabei kam auch sein Großvater ums Leben. Zuvor habe ihm dieser noch gesagt: "Bleib immer ein Jude."

Der Holocaust müsse als ewiges Warnzeichen vor Augen stehen. Peres: "Um eine zweite Shoah zu verhindern, ist es an uns, unsere Kinder zu lehren, Menschenleben zu achten und Frieden mit anderen Ländern zu wahren. Die junge Generation muss lernen, jede einzelne Kultur und die universellen Werte zu respektieren."

Peres rief die Internationale Gemeinschaft auch zum Handeln im Atomstreit auf. Ein "fanatisches" Regime, das Atomkraftwerke und Nuklearraketen besitze, mit denen es sein eigenes Land und andere Länder terrorisiere, "ist eine Gefahr für die Welt" . Der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) betonte: "Wir Deutschen haben für die Existenz Israels eine historisch begründete Verantwortung."

Stärkerer Antisemitismus

In Österreich erklärte Kanzler Werner Faymann: "Die schrecklichen Verbrechen an der Menschheit, die durch das mörderische Regime des Dritten Reiches auf der Grundlage einer menschenverachtenden Ideologie geschehen sind, dürfen niemals in Vergessenheit geraten." Gerade in schweren Zeiten, sei es wichtig, Demagogen und Holocaust-Verleugnern vehement zu begegnen und die Jugend zu demokratischer Wachsamkeit aufzurufen.

Außenminister Michael Spindelegger (VP) mahnte zu besonderer Wachsamkeit gegenüber allen Formen des Antisemitismus, der in den letzten Jahren wieder stärker auftrete, sei es in Österreich, Europa oder weltweit. Die "Fratze des Antisemitismus" zeige sich immer unverhohlener. Spindelegger: "Hier kann und darf es gerade auch in Österreich keine Toleranz oder Nachsicht geben."

FP traf rechtsextreme Ungarn

Die Israelitische Kultusgemeinde protestiert gegen ein Treffen von Vertretern der FPÖ und der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik. Es sei erschreckend, dass der Kontakt der Freiheitlichen mit der "offen neofaschistischen" Jobbik "ohne Aufschrei der demokratischen Parteien" vollzogen worden sei. (bau, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 1. 2010)