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Die Welt blickt auf das stark gesicherte Davos: Hinter Stacheldraht wird über die Lehren aus der Finanzkrise heftig diskutiert. Bankenvertreter warnen vor zu viel Regulierung.

Foto: AP/Keystone/Laurent Gillieron

Die Pläne von US-Präsident Barack Obama, die Größe und Aktivitäten von Banken zu beschneiden, haben zu heftigen Debatten beim Weltwirtschaftsforum in Davos geführt. Während alle anwesenden Bankenvertreter einhellig vor zu viel Regulierung warnten, kam vom Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, vorsichtige Unterstützung.

Diese Vorschläge gingen "in die richtige Richtung". Für nicht weitgehend genug hält US-Investor George Soros Obamas Vorschläge. Zudem seien sie zum falschen Zeitpunkt gemacht worden. Es sei noch zu früh, um über Belastungen für Geldinstitute wie eine Bankensteuer zu sprechen.

 

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Davos - Seit Nouriel Roubini, Finanzwirtschaftsprofessor an der Universität New York, die aktuelle Krise korrekt vorhergesagt hat, wird seinen Äußerungen in Davos besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Diesmal machte Roubini seinem Spitzennamen "Dr. Doom" (Dr. Untergang) aber keine Ehre.

Seiner Einschätzung nach sind die Aussichten für die Weltwirtschaft im ersten Halbjahr noch sehr positiv, weil die staatlichen Konjunkturprogramme wirkten. "In der zweiten Jahreshälfte wird man einen Niedergang in den USA, Europa und Japan sehen" , prophezeit Roubini. Die Hoffnung ruhe auf den aufstrebenden Märkten. "Aber China allein kann nicht der einzige Motor des globalen Wirtschaftswachstums sein."

Viel hänge davon ab, wie sich die Wirtschaft in Brasilien, Indien, Taiwan, Korea und der Türkei entwickle, sagte Dennis Nally, Chef von PriceWaterhouseCoopers. Die Beratungsgruppe hatte ihre schon traditionelle Umfrage vor Davos durchgeführt und 1200 Vorstandsvorsitzende in 52 Ländern nach ihren Einschätzungen befragt. Das Ergebnis: Vier von fünf Unternehmenschefs weltweit gehen optimistisch in das Jahr 2010. 31 Prozent der Befragten beurteilen die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr sogar als "sehr optimistisch".

Ausgerechnet der stellvertretende Gouverneur der Volksbank von China, Zhu Min, plädierte dann in einer vom US-Sender CNBC übertragenen Diskussion für "eine sanfte Landung". Man müsse weltweit von einer starken Staatsunterstützung zu selbsttragendem Wachstum kommen, forderte der chinesische Banker.

Das zweite große Diskussionsthema in Davos waren die Pläne von US-Präsident Barack Obama, die Größe und Aktivitäten von Banken zu beschneiden. Unterstützung kam von Star-Ökonom Roubini: "Das geht in die richtige Richtung." Bisher habe er den Eindruck, dass es ein "Business as usual" gebe und sich die nächsten Blasen aufbauten. "Wir gehen wieder in Richtung zu viel, zu schnell, zu bald, und die US-Geldpolitik wird in den Rest der Welt exportiert."

Vorsichtige Unterstützung gab es auch vom Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet: Die vorgesehene Begrenzung des Bankenhandels und der Größe einzelner Institute seien wichtig und interessant, sagte Trichet dem Wall Street Journal. Die EZBprüfe die Vorschläge sorgfältig. "Sie gehen in dieselbe Richtung wie unsere eigene Position: Nämlich sicherzustellen, dass sich der Bankensektor auf die Finanzierung der Realwirtschaft konzentriert."

Einheitlich scharfen Widerstand gab es dagegen von den Bankenvertretern in Davos. "Am Ende könnten wir alle die Verlierer sein, wenn wir keine effizienten Märkte mehr haben", sagte der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Er warnte vor Alleingängen der Regierungen bei der Regulierung. "Wenn jedes Land dieser Welt eigene Vorschriften erlässt, schafft das mehr Komplexität und die Aufsicht über Finanzinstitute wird erschwert." Der Vorstandschef der britischen Standard Chartered Bank, Peter Sands, warnte vor einer Lähmung der Privatwirtschaft durch Überregulierung.

Eine differenzierte Position zum Thema Bankensteuer und zu Obamas Bankenregulierungsplänen nahm dagegen der Investor George Soros ein. Bei einem Gespräch mit einem kleineren Kreis von Journalisten sagte Soros: "Dieser politische Sturm kommt zu früh von einem ökonomischen Standpunkt. Das ist langfristig sinnvoll, aber jetzt kontraproduktiv. Das führt dazu, dass die Banken bei der Kreditvergabe noch restriktiver sind. Jetzt bedarf es noch kurzfristiger Maßnahmen." Das Platzen einer "Superblase" hat zur aktuellen Krise geführt.

Soros Euro-Sorgen

Auf die Frage des Standard, ob man sich wegen Griechenlands Problemen Sorgen um den Euro machen müsse, antwortete Soros: "Die Entwicklung zeigt Schwächen in der Eurozone auf. Der Euro ist eine unvollständige Währung. Es gibt eine Zentralbank, aber kein gemeinsames Treasury."

In Griechenland seien harte Sanierungsmaßnahmen notwendig. "Es muss angesichts des Widerstands dort Druck von europäischer Seite geben, damit diese auch umgesetzt werden." Als Mitglied der Eurozone genieße aber Griechenland noch immer so viel Vertrauen, dass es auf den internationalen Finanzmärkten weiter Geld leihen könne, sagte Soros. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.01.2010