Im ewigen, majestätischen Kreislauf der Natur naht nun wieder der Opernball. Er ist österreichisches Kulturerbe, ebenso wie der ORF, mit dem ihn nicht nur die Übertragung, sondern vor allem die ähnliche Phänomenologie verbindet.

Beide, Opernball wie ORF, sind quasistaatliche Veranstaltungen, irgendwie vertraut, durchaus mit Daseinsberechtigung, aber ziemlich muffig, ideenlos und an den Rändern mehr und mehr trashig. Eine weitere Gemeinsamkeit ist Operndirektor Ioan Holender, der seit gefühlten Jahrhunderten sowohl gegen den ORF wie gegen den Opernball polemisiert (eigentlich polemisiert er gegen alles), was aber oft auch ganz amüsant ist. Was man hingegen nicht tun sollte, ist, dem Opernball künstlich eine gesellschaftskritische Note aufzupappen. Das wirkt dann immer wie die Ansage "Ich singe jetzt ein beinhartes Protestlied" bei einem Abend für volkstümliche Musik.

Deshalb war es vielleicht keine tolle Idee von den Opernball-Organisatoren, den Schriftsteller Franzobel zur Pressekonferenz einzuladen. Der erklärte dort, er würde auch gern auf den Opernball gehen, allerdings mit Arigona Zogaj. Eine leere, billige Geste. Sie wird nicht gehen. Aber eine Million Arigona-Hasser wird ihr in den Internetforen das wieder zum Vorwurf machen. Aber vielleicht schreibt Franzobel ein Dramolett: "Arigona Z. und Richard L. treffen einander auf dem Opernball." (rau, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Jänner 2010)