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Murray nach Sieg über Cilic im Finale.

Foto: EPA/PAUL MILLER

Melbourne - Andy Murray hat am Donnerstag zum zweiten Mal nach den US Open 2008 das Endspiel eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Der 22-jährige Schotte bezwang den kroatischen Überraschungsmann Marin Cilic in dessen erstem Major-Halbfinale nach 3:02 Stunden mit 3:6,6:4,6:4,6:2 und kämpft am Sonntag entweder gegen den topgesetzten Roger Federer oder den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga um seinen ersten Titel bei einem der vier Slams.

"Er hat unglaublichen Mumm gezeigt. Er hat es mir so schwierig gemacht und hat bis zum Ende gekämpft", zollte Murray dem aufstrebenden Cilic noch auf dem Platz Lob. In dem spannenden Grundlinien-Duell zweier starker Spieler hatte Murray das Quäntchen Glück auf seiner Seite und steigerte sich schließlich zu einer großartigen Leistung. Der 21-Jährige Cilic, vom früheren Ivanisevic- und Becker-Coach Bob Brett betreut, schien im vierten Satz mit seinen Kräften am Ende zu sein. Drei Fünfsatz-Matches hatte der Weltranglisten-14. bereits in den Knochen.

Murray, der als erster Brite seit Fred Perry 1934 in "down under" triumphieren kann, könnte bei einem Turniersieg wieder Platz zwei der Weltrangliste einnehmen, wie zuletzt im vergangenen Jahr für kurze Zeit. Es wäre überhaupt der erste britische Major-Titel seit Perry vor 76 Jahren. Nach John Lloyds Final-Niederlage bei den Australian Open 1977 standen in der Neuzeit noch Greg Rusedski (1997) und Murray (2008) bei den US Open im Endspiel... und verloren.

Während sich Murray am Freitag mit lockerem Training ausruhen kann und überhaupt zwei Tage ohne Match hat, wird sein Gegner am Freitag ermittelt. Federer ist in seinem 23. Major-Semi en suite gegen den als Nummer 10 gesetzten Tsonga freilich haushoher Favorit. Doch Tsonga vermag Experten immer wieder zu überraschen. Vor zwei Jahren erreichte der in Le Mans geborene und in der Schweiz lebende Tsonga sensationell das Endspiel in Australien, im Vorjahr kam der 24-Jährige ins Viertelfinale.

Der kraftvolle Spieler, der im französischen Davis-Cup-Team "bison" genannt wird, weil er seine Gegner wie ein Büffel überrennen kann, fühlt sich ausgerechnet in Australien besonders wohl, ist bei keinem anderen Major bisher so erfolgreich gewesen. Der 1,88-m-Mann, mit dem in Frankreich übrigens weit mehr geworben wird als mit Gael Monfils, hätte aufgrund seiner Vorbereitung eher in der ersten Runde ausscheiden müssen.

Er bestritt kein Vorbereitungsturnier, verschob den Abflug nach Australien und reiste erst im letzten Moment an. "Eigentlich machte er alles verkehrt. Aber das ist typisch Tsonga. Er spielt mit einem neuen Schläger, mit neuen Saiten, und voila, trotzdem erreicht er das Halbfinale", beschreibt ihn sein Coach, Eric Winogradsky.

Wie sich Tsonga seine vorerst auf Australien beschränkte Erfolgsserie erklärt? "Irgendwie ist es viel schwieriger, sich auf die anderen drei Majorturniere vorzubereiten, weil man zuvor so viele andere wichtige Turniere spielen muss. Für die Australian Open ist es einfach, bereit zu sein. Da gibt es vorher zwei Monate lang keine wichtigen Turniere", erklärteTsonga, der im Viertelfinale den Serben Novak Djokovic ausgeschaltet hat.

Gegen Federer ist er dennoch klarer Außenseiter. Doch der Schweizer, der noch zwei Siege zum 16. Major-Titel benötigt, ist auch gewarnt vor dem großen Kämpferherz Tsongas. In Montreal führte er im Vorjahr im Entscheidungssatz 5:1, verlor aber noch 6:7,6:1,6:7. Ein Sieg, der Tsonga aufbaut. "Ich weiß, dass ich ihn bezwingen kann. Ich weiß aber auch, dass es noch schwieriger wird, denn diesmal muss ich drei Sätze gewinnen." (APA/Si)