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Trocken wie die Erde eines Olivenhains: Die Staatskassen Griechenlands. Kann und muss sich der EU-Staat selbst retten? Spekuliert wird seit geraumer Zeit über alles mögliche.

Foto: APA/Schleep

Die Eurozone wird immer stärker von Griechenland belastet. Ängste vor einem Staatsbankrott des hochverschuldeten Landes haben den Euro am Donnerstag unter die Marke von 1,40 Dollar und damit auf den tiefsten Stand zum Greenback seit mehr als einem halben Jahr gedrückt. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen erreichten neue Rekordwerte - um zeitweise 3,93 Prozentpunkte mehr als für deutsche Staatspapiere verlangten Investoren. Gerüchte über eine baldige Herabstufung der Bonität Portugals dürften den Euro zusätzlich belastet haben.

Premierminister Giorgos Papandreou nahm die Aufmerksamkeit, die ihm und seinem Land auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zuteil wurde, mit Humor: "Es herrscht reges Interesse an mir." Dann kam er gleich zur Sache: Die derzeitige Krise in seinem Land sei hausgemacht und auf das Missmanagement der Vorgängerregierung zurückzuführen. Er kündigte "schmerzhafte Einschnitte" an und nannte eine Steuer- und Pensionsreform sowie Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst.

Zudem kündigte er an, dass Mitarbeiter der EU-Statistikbehörde Eurostat gemeinsam mit griechischen Beamten die Budgetzahlen überprüfen würden. Wiederholt hatte es auf EU-Ebene Zweifel an den aus Griechenland überlieferten Wirtschaftsdaten gegeben, die dem Land den Weg in die Eurozone ermöglicht hatten.

An einen Ausstieg aus der Eurozone denkt Griechenland nicht. "Die Gemeinschaftswährung war für uns sehr positiv: Wir hatten Wachstum", sagte Papandreou. Zudem sei der Euro ein stabilisierender Faktor. Seiner Ansicht nach werde Griechenland als "schwaches Glied" in der Eurozone angegriffen.

Die Turbulenzen halten jedenfalls an. Erst am Mittwoch hatten Meldungen die Runde gemacht, wonach Griechenland mit China über den Kauf von Staatsanleihen im Wert von fünf bis 25 Mrd. Euro verhandle. Das hat Papandreou genauso dementiert, wie Berichte über eine bevorstehende Rettungsaktion durch Frankreich und Deutschland. Auch Berlin und Paris wiesen die Gerüchte zurück.

Unterdessen drängen mit Lettland und Estland zwei weitere Staaten, die von der Wirtschaftskrise arg gebeutelt werden, in die Eurozone. Lettlands Präsident Valdis Zatlers gab sich in Davos zuversichtlich, dass sein Land 2012 die Maastricht-Kriterien zur Aufnahme schaffen könne. Estland peilt sogar 2011 an.

Globalisiertes Österreich

Österreich ist laut einer in Davos präsentierten Studie von Ernst & Young sehr stark von der Globalisierung geprägt. Seit 1995 werden 60 Länder weltweit zu ihrem "Grad an Globalisierung" befragt, 2009 liegt Österreich auf dem zwölften Platz. Allerdings ist der Globalisierungsgrad mit 4,88 im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben und war 2007 mit 5,07 sogar schon höher. Zum Vergleich: Singapur, das der am stärksten globalisierte Staat ist, führt den Index mit 7,29 an, gefolgt von Hongkong und Irland. Auffällig ist, dass sich vor allem kleinere Staaten auf den vorderen Plätzen finden. Die G-7-Staaten Großbritannien und Deutschland sind auf Platz 15 und 16, die USA auf dem 24. Rang. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Globalisierung durch die derzeitige Krise gebremst wurde - aber nur kurzzeitig. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos/DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2010)