Hamburg - Apples neuer Tablet-PC "iPad" ermöglicht bequemes Zeitungslesen am Bildschirm. Beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ist man dennoch nicht überzeugt, ob das Gerät den Durchbruch bringen werde, mit Zeitungsinhalten im Netz Geld zu verdienen. Aber: Gewöhnt daran, für Inhalte und Anwendungen auf dem Handy Geld zu bezahlen, werden Leser eher bereit sein, für Qualitätsinhalte auf mobilen Endgeräten zu bezahlen, glaubt der Verband. "Hier liegt tatsächlich eine Chance", sagt eine BDZV-Sprecherin.

Der BDZV sieht kurz- oder mittelfristig die Zukunft im Papier. "Zeitungen sind ja auch heute schon viel mehr als bedrucktes Papier, das morgens früh dem Abonnenten an die Haustür getragen wird. Sie verbreiten Meinung und Hintergrund rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, gedruckt, online und mobil", heißt es.

"Spiegel": "Lassen Sie sich überraschen"

Chancen sieht man beim "Spiegel". Dessen Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron sagt, "wir sehen, dass uns das iPad neue und interessante Möglichkeiten eröffnet, und bereiten uns seit geraumer Zeit darauf vor." Vieles sei noch im Fluss, aber eines klar: "Spiegel Online" liefere tagesaktuelle Informationen, Analysen und den Debattenstoff für die digitale Welt und bleibe deshalb frei nutzbar. "Für das Magazin bringen die Reader neue Darstellungsformen und Verbreitungschancen", sagt der Chefredakteur. "Lassen Sie sich überraschen."

Druck für Burda

Auch das Münchner Verlagshaus Hubert Burda geht davon aus, dass der "iPad" Druck in das Segment der elektronischen Zeitschriften und Zeitungen bringen werde. Dennoch glaubt Verlagssprecher Nikolaus von der Decken nicht, dass Zeitungen durch den Tablet-Computer nun nur noch online gelesen würden:  "Wir glauben an die Zukunft von Zeitschriften." Von der Decken bezweifelt jedoch, dass sich das iPad rasant durchsetzen wird, vor allem angesichts von Preisen ab 356 Euro aufwärts.

Springer: Neues Format

"Das iPad ist ein gutes Produkt zu einem guten Preis, das viele Nutzer begeistern wird", sagt ein Sprecher der Axel Springer AG. "Es überträgt die vom iPhone und iPod Touch gelernte Bedienphilosophie und die Geschäftsmodelle auf einen größeren Bildschirm. Durch die Handhabung, die größere Darstellung sowie die gute Grafikfähigkeit erschließt sich für unsere Medien ein neues Format." (APA)