Das Weltwirtschaftsforum in Davos wird gerne genutzt, um Verhandlungen über Themen zu führen, die nicht mit Wirtschaft zu tun haben, oder die Fühler auszustrecken. Der österreichische Außenminister Michael Spindelegger traf sich nicht nur mit den wenigen Wirtschaftsvertretern aus Österreich, die nach Davos gereist waren, sondern auch mit William Hague. Nach den Wahlen in Großbritannien im Frühjahr hat der Konservative gute Chancen, Außenminister zu werden.
Aus Wien angereist ist auch der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Yukiya Amano. Vor Journalisten plauderte er dann doch etwas überraschend aus, dass es weiterhin Gespräche mit dem Iran über die Anreicherung von Uran gebe. „Der Vorschlag liegt auf dem Tisch, der Dialog läuft", sagte Amano. Mehr ließ er sich aber nicht entlocken.

Zuletzt hatte es am 19. Jänner geheißen, der Iran habe das Angebot der internationalen Staatengemeinschaft, den überwiegenden Teil seines angereicherten Urans im Ausland zu Brennstäben für einen Forschungsreaktor aufbereiten zu lassen, abgelehnt - aber nie offiziell.
Dass es zumindest Gespräche zwischen ihm und einem Gesandten Frankreichs in Davos gegeben habe, bestätigte auch Irans Außenminister Manuchehr Mottaki. Es seien „neue Ideen entwickelt" worden. Wenn sich der Westen pragmatisch zeige, könnten die Verhandlungen zu konkreten Ergebnissen führen.

An einer anderen Verhandlungsfront gibt es offenbar wenig Bewegung: Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sprach zum ersten Mal davon, dass es vermutlich heuer zu keinem Klimaabkommen mehr komme. Die Finanzkrise und der Vertrauensverlust nach dem Gipfel in Kopenhagen erschwerten dies. Dessen ungeachtet zeigte sich Mexikos Präsident Felipe Calderon zuversichtlich, dass im Dezember in Cancun doch ein Durchbruch erzielt wird.

Schwierigkeiten, überhaupt ins verschneite Davos zu kommen, hatten diverse Außenminister. Bernhard Kouchner (Frankreich), Guido Westerwelle (Deutschland) und EU-Außenministerin Catherine Ashton sagten kurzfristig ab. So lag es am Briten David Miliband, in der Afghanistan-Debatte die Verhandlungen mit den Taliban zu verteidigen. Er sprach sich für strenge Vorgaben für das Wiedereingliederungsprogramm aus. Für Taliban-Mitglieder, die aussteigen wollten, müsse eine „rote Linie" gezogen werden. So müssten sie alle Verbindungen zu Al-Kaida abbrechen. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos/DER STANDARD, Printausgabe, 30./31.1.2010)