Frühstückkaufen im Supermarkt kann unerwünschte Nebenwirkungen haben, einen Platzverweis etwa. Petr Dworak (Name geändert) aus Wien hat das am eigenen Leib erfahren. Schuld daran: ein Securitymann in einem Supermarkt in Wiener Karlsplatznähe. Er stieß sich an der Haartracht des jungen Softwarenentwicklers.

Dworak nämlich trägt Dreadlocks: modisch-verfilzte Haarsträhnen. Unter Rastafaris in Jamaika oder hinduistischen Mönchen, die der Göttin Shiva huldigen, würde er damit zum Mainstream gehören. Nicht so in Mitteleuropa, wo Dreadlocks etwas Alternatives, Gesellschaftskritisches, ja Verkrachtes anhängt. Und schon gar nicht für besagten Security, Mitarbeiter einer Wiener Detektei, der in dem Einkaufstempel unweit des Wiener Karlsplatzes am 13. Jänner am Werk war.

„Schon am Eingang wurde ich mit einem komischen "Geht's Ihnen gut?" empfangen. Ich hab's erst nicht verstanden, hab ‚Ja‘ gesagt und bin weitergegangen", schildert Dworak in einem Mail. „Nach zwei Minuten war der Security wieder bei mir und hat gefragt, ob er mir helfen kann. Ich hab gesagt, dass ich das Sizilianische Gebäck suche. Er hat gemeint, dass das nicht mehr da ist und dass ich die Filiale verlassen soll. Ich habe gefragt, warum, und er hat geantwortet: ‚Wegen der Haare‘. Ich solle einfach gehen, weil die Geschäftsführung Leute, die solche Haare haben, nicht in der Filiale will."

Dem widerspricht Spar-Pressesprecherin Nicole Berkmann vehement - und richtet Dworak eine Entschuldigung aus. Nicht Frisurkontrolle sei Aufgabe besagten Securitys , sondern vielmehr „zu verhindern, dass die Leute aus der Karlsplatz-Drogenszene in den Supermarkt kommen, um sich aufzuwärmen". Hier gehe Spar vor wie andere Ketten auch. Nicht, weil man gegen diese Personen an sich etwas habe. Nur: Kunden hätten sich beschwert.

Da scheint der Sicherheitsmann bei der Einschulung etwas missverstanden zu haben. „Kunden" sind Menschen, die zum Einkaufen in den Supermarkt kommen - Frühstück und „Sizilianisches Gebäck" zum Beispiel. Oder glaubte der Mann, einem Mafiosi oder gar einem Tierschützer gegenüberzustehen? Wie dem auch sei: Supermarkt-Securities, die im Namen des ungestörten Konsums Ausschluss vom Konsum praktizieren, sind paradox. (Irene Brickner, derStandard.at, 3.2.2010)