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Wien - Zeitgerecht zur Wahl des ORF-Publikumsrats ging der Medienbericht des Europarats online. Berichterstatter Andrew McIntosh vergisst nicht, bei der Gelegenheit die Alpenrepublik zu erwähnen: "In Deutschland und Österreich spiegelt die Besetzung von Management- und journalistischen Führungspositionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die jeweilige Stärke der rivalisierenden politischen Parteien wider. Man kann kritisieren, dass dieses System die journalistische Unabhängigkeit untergräbt, indem es offen die politische Zugehörigkeit berücksichtigt."

Die Faxwahl von sechs Publikumsräten steht am Anfang des Besetzungsfahrplans für die ORF-Gremien. Vor allem Parteien und ihre Vorfeldorganisationen sammeln und faxen Stimmen. Ziel: Mehrheiten im Publikumsrat, dann im Stiftungsrat, um schließlich die nächste ORF-Führung zu bestimmen.

220.000 Stimmen

Dienstagfrüh endete die dritte Faxwahl. Rund 220.000 Eingänge wurden registriert - bei mehr als drei Millionen wahlberechtigten Gebührenhaushalten. Sieben Prozent Wahlbeteiligung, 2001 waren es drei Prozent, 2005 sechs.

Ob die Parteien noch heftiger mobilisierten oder der ORF die ungeliebte Wahl besser bewarb, lässt sich frühestens mit dem Wahlergebnis abschätzen. Der ORF rechnet mit der Auszählung am Freitag. Bisher gewann die SPÖ alle Mandate, nun mobilisierte auch die ÖVP heftig.

Die Kosten blieben laut ORF im budgetierten Rahmen von 1,4 Millionen. Die Druckerei vergaß, wie berichtet, auf die Stimmzettel Teilnehmernummern zu drucken. Sie übernimmt die Kosten des deshalb nötigen zweiten Postwurfs. Die Firma eines Ex-ORF-Marketers verrechnete für Wahlberatung laut ORF 40.000 Euro.

Wohl noch auf die TV-Information unter Chefredakteur Werner Mück (bis Ende 2006) bezieht sich McIntoshs letzter Satz über den ORF: "In Österreich haben Rundfunkjournalisten Rahmenbedingungen infrage gestellt, dass politischen Faktoren bei Entscheidungen eine Rolle spielen, ob und in welcher Reihenfolge über Entwicklungen berichtet wird." (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 3.2.2010)