Berlin - Im Missbrauchsskandal um einen früheren Jesuiten-Pater in Berlin nimmt die Staatsanwaltschaft jetzt auch das traditionsreiche Kolleg im baden-württembergischen Sankt Blasien ins Visier. Nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ziel sei es, die Übergriffe eines Geistlichen auf Schüler aufzudecken, teilte die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen mit.

Ein Jesuit, der mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs am Berliner Canisius-Kolleg gestanden hat, war von 1982 bis 1984 in Sankt Blasien tätig. Zwei dortige Opfer haben sich bereits gemeldet. Die Schulleitung rechnet mit weiteren Fällen.

Fälle in Hamburg

An einem ehemaligen Jesuiten-Gymnasium in Hamburg wird befürchtet, dass es mehr als die drei bisher bekannten Fälle gibt. Eines der Opfer habe "entsprechende Hinweise gegeben", sagte der Schulleiter der Sankt-Ansgar-Schule, Friedrich Stolze.

Eine scharfe Verurteilung des sexuellen Missbrauchs von Schülern an drei deutschen Jesuiten-Gymnasien wird auch vom Vatikan unterstützt. Der Heilige Stuhl sehe die Bitte um Entschuldigung, wie sie der Jesuiten-Provinzial in Deutschland, Stefan Dartmann, in dem Missbrauchsskandal vorgebracht hat, als "umfassend" an, erklärte Vatikan-Sprecher Pater Ciro Benedettini. Er werde sich daher nicht noch in einer eigenen Stellungnahme äußern, sei aber in "völliger Übereinstimmung" mit dem, was Dartmann dazu gesagt habe.

Fälle in Berlin

Zwei frühere Jesuiten-Pater haben in den 70er und 80er Jahren als Lehrer etwa 20 Schüler am Berliner Elitegymnasium Canisius-Kolleg sexuell missbraucht. Außerdem sollen sie für weitere Missbrauchsfälle an Schulen in Hamburg und im Schwarzwald sowie in Einrichtungen in Göttingen, Hildesheim, Chile und Spanien verantwortlich sein.

Der Jesuitenorden bat nach seiner Entschuldigung bei den Opfern in Berlin auch die Missbrauchsopfer in Hamburg und St. Blasien im Südschwarzwald um Vergebung. In einer Erklärung von Provinzial Dartmann heißt es: "Diese Opfer tragen belastende Erinnerungen mit sich und erheben jetzt ihre Stimme. Ich danke ihnen dafür. Ich bitte sie im Namen des Ordens um Entschuldigung für alle Missbräuche, die sie erlebt haben." Dartmann fügte hinzu: "Ebenso bitte ich um Entschuldigung für das, was von Verantwortlichen des Ordens damals an notwendigem und genauem Hinschauen und angemessenem Reagieren unterlassen wurde." (APA)