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Vourteile haben ebenfalls in der Note Platz: ist man brav oder schlimm, angeblich technisch begabter oder nicht, Mädchen oder Bub.

Foto: APA/Schneider

"Am Ende steht immer eine Zahl von eins bis fünf. Und die entscheidet über das spätere Leben" sagt Günter Haider. Unschwer zu Erraten, dass der Leiter des Bifie (Institut für Bildungsforschung) kein großer Fan von Ziffernnoten in der Schule ist. Auch der Grüne Bildungssprecher Harald Walser ist für Alternativen: "Ziffernnoten sollen, zumindest am Anfang, durch schriftliche Beurteilung in der Volksschule ersetzt werden. Ein Wunsch wäre, sie ganz abzuschaffen."

Früher Notendruck

Der Notendruck beginnt schon in der Volksschule. Bezirksschulinspektoren beobachten, dass Eltern nicht nur ihre Kinder, sondern auch Lehrer wegen Noten unter Druck setzen, vor allem, wenn es um den Wechsel von der Volksschule ins Gymnasium geht. Kein Wunder, meint Bildungsexperte Haider: "Aufgrund dieses Systems werden Schulkarrieren und Bildungskarrieren, das Einkommen bestimmt, die Kriminalitätsrate im weiteren Leben, die Scheidungsrate beeinflusst. Alles, was die Schüler im weiteren Leben machen, wird von ihren Bildungsabschlüssen bestimmt."

Kompetenz nicht benotet

Dass die Schulnoten teilweise nicht die Kompetenzen der Schüler bewerten, sondern eher ein Glücksspiel sind, beweisen auch internationale Bildungstests wie Pisa (Programme for International Student Assessment - Programm zur internationalen Schülerbewertung) oder Pirls (Progress in International Reading Literacy Study - Studie zu Lesekompetenzen).

Pisa-Spektrum

Beispiel Mathe in der AHS: Bei 14 Prozent der Schüler, die in Mathematik einen Einser im Zeugnis hatten, hätten laut der Pisa-Mathematik-Kompetenzstufen nur 28 Prozent diese Note. Ein Prozent hätte ein "Nicht Genügend". Bei 31 Prozent der "Befriedigend"-Schüler hätten sechs Prozent einen Einser, neun Prozent einen Fünfer und immerhin 38 Prozent tatsächlich ein "Befriedigend".

Akademikerkinder bevorzugt

Auch in den Untersuchungen von Pirls kommt Erstaunliches zutage: So haben Kinder aus Akademikerfamilien bei gleicher Kompetenz eher die Chance einen Einser in Deutsch und Lesen zu bekommen als Kinder aus bildungsfernen Schichten und sozioökonomisch benachteiligten Familien. Schaffen die Benachteiligten dann doch einen Einser, ist die Chance, die Bildungskarriere im Gymnasium forzusetzen, nicht einmal halb so groß (22 Prozent) wie für Kinder aus Akademikerfamilien (67 Prozent).

Alternativen erprobt

Dabei sind Noten nicht die einzige Methode, um eine Leistung zu beurteilen. Drei Alternativen werden an österreichischen Schulen erprobt.

Bei der "verbalen Beurteilung" beispielsweise werden der Lernzuwachs, die Arbeitsmethoden und die Art der Leistungserbringung dokumentiert und beschrieben. 

Bei der "lernzielorientierten Beurteilung" wird geschaut, ob das vorgegebene Lernziel erreicht wurde. Schüler, Lehrer und Eltern haben Kontrolle über das Geschehen. Das fördert die Selbsteinschätzung der Schüler und hilft bei der Arbeitseinteilung.

Leistungsmappen und Portfolios sind ebenfalls eine Option, die Leistung zu beurteilen. Hier sammeln Schüler ihre Abreiten, und sie können dadurch ihre Fähigkeiten konkret nachweisen.

Grüne: Zuerst Gesamtschule, dann Noten abschaffen

"Noten sind ungerecht und auch nicht aussagekräftig", sagt Harald Walser. Er will Bewegung in das starre Ziffernsystem bringen. "Benoten Lehrer auch fair, so orientieren sie sich nicht an den Leistungen der gesamten Schulstufe, sondern an der Klasse", sagt der Grünen-Politiker. Seine Hoffnung ist die Gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, auch als Neue Mittelschule bekannt.  Bis diese flächendeckend komme, solle die Ziffernnote bis zur AHS-Unterstufe abgeschafft werden, fordert er. Thema der Regierung ist das Abschaffen der Noten derzeit nicht. (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 4. Februar 2010)