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Ins Netz gegangen: Die spezielle Mikrostruktur der Spinnenseide macht es möglich, dass sich darauf Wasser fängt.

Foto: EPA / RAMINDER PAL SINGH

London - Sie sind fragile und doch höchst stabile Kunstwerke der Natur. Die Spinnenseide, aus der Spinnennetze hergestellt sind, ist im Verhältnis zur Masse viermal belastbarer als Stahl. Außerdem kann sie um das Dreifache ihrer Länge gedehnt werden, um den Aufprall ihrer Opfer abzufangen.

Besonders faszinierend sind Spinnennetze, wenn sich in ihnen Wassertropfen gefangen haben - so faszinierend, dass gleich mehr als 80 Fotos davon den neuen Bericht zur Forschungsstrategie 2020 des Rates für Forschung und Technologieentwicklung zieren.

Eine Erklärung dafür wird vom RTF-Rat indes nicht mitgeliefert. Die kann man stattdessen in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature (Bd. 463, S. 640) nachlesen. Chinesische Forscher haben dazu die Seidenfäden der Federfußspinne Uloborus walckenaerius, die auch in Österreich beheimatet ist, unter die Lupe bzw. das Elektronenmikroskop genommen.

Die Netze dieser Spinnenart sind besonders effizient darin, Wasser aus feuchter Luft zu filtern und die Tropfen wie auf einem Perlencollier aufzufädeln. Der Vorgang ist erstaunlich komplex: Zuerst docken Wassermoleküle auf den regelmäßigen "rauen" Knötchen des trockenen Fadens an, wodurch sich dessen Struktur verändert. Die Knötchen werden zu spindelartigen Verdickungen, die sich mit dünnen und "glatten" Verbindungen abwechseln. Durch diese spezielle Struktur sammeln sich die weiter wachsenden Wassertröpfchen entweder an einem Spindelknoten oder sind so groß, dass sie zwei Spindeln umschließen.

Die Forscher konnten diesen Vorgang mit künstlicher Seide reproduzieren, die diese Strukturen nachahmte. Sie hoffen, Geräte herzustellen, die ebenfalls Wasser aus der Luft fangen können. (Klaus Taschwer, DER STANDARD/Printausgabe 4.2.2010)