Paris/Athen - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat dem hoch verschuldeten Griechenland seine Hilfe angeboten. "Wir sind dazu da, um zu helfen", sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Donnerstag dem französischen Radiosender RTL. "Aber ich habe volles Verständnis für die Europäer, die dieses Problem zunächst selbst lösen wollen." Griechenland musste sich als größter Schuldensünder der Europäischen Union einer strengen Haushaltskontrolle durch die EU-Kommission unterwerfen - auch weil die desolate Lage den Eurokurs drückt.

"Die griechische Lage ist sehr ernst", sagte Strauss-Kahn, dessen Organisation schon vielen finanzschwachen Staaten unter die Arme gegriffen hat - allerdings noch nie einem Euroland. Die sozialistische Regierung unter ihrem Chef George Papandreou sei sich der schwierigen Situation bewusst. "Ich habe Vertrauen, dass Ministerpräsident Papandreou die notwendigen Maßnahmen ergreifen wird", sagte Strauss-Kahn. "Aber das sind sehr schwierige Maßnahmen." Die Regierung hatte unter anderem einen Lohnstopp für Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes und Steuererhöhungen angekündigt.

Sie hatte auf der Suche nach einem Ausweg aus der Schuldenfalle bereits IWF-Experten um Rat gebeten. Ein IWF-Team war im Jänner mit Finanzminister Giorgios Papakonstantinou zusammengekommen, um über die Haushalts-, Ausgaben- und Steuerpolitik des Landes zu debattieren.

Befreiung aus der Rezession

Der Minister rechnet trotz der schwierigen Lage damit, dass sich die Wirtschaft aus der Rezession befreien kann. "Wir erwarten ab Jahresmitte 2010 eine Rückkehr zu positiven Wachstumsraten", sagte Papakonstantinou der "Financial Times". Ungeachtet der harten Sparmaßnahmen werde die Wirtschaft im Gesamtjahr nur um 0,3 Prozent schrumpfen.

Griechenland hatte lange über seine Verhältnisse gelebt. Für 2009 wurde eine Rekordneuverschuldung von 12,7 Prozent der Wirtschaftsleistung gemeldet. Die Gesamtverschuldung stieg auf 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das Euroland wurde deshalb von der EU-Kommission an die Kandare genommen. Sie billigte am Mittwoch den Sparplan der Regierung, mit der das Staatsdefizit binnen drei Jahren auf 2,8 Prozent gedrückt werden soll.

Die desolate Haushaltslage Griechenlands hat an den Finanzmärkten Spekulationen über ein Auseinanderbrechen des Euroraums ausgelöst. Der Euro verlor dadurch gegenüber dem Dollar und anderen wichtigen Währungen deutlich an Wert. An den Märkten wird über einen geheimen EU-Rettungsplan für Griechenland und andere stark verschuldete Euro-Länder wie Portugal und Spanien spekuliert, obwohl diese nach dem EU-Vertrag verboten sind. (Reuters)