Salzburg - Die Firma heißt Art & Culture Consulting und hat ihren Firmensitz im Karibikstaat Belize. Über sie sollen, so steht es jedenfalls in der Strafanzeige der Osterfestspiele GmbH gegen ihren entlassenen Geschäftsführer Michael Dewitte zu lesen, 300.000 Euro abgezweigt worden sein. Das Konto, auf welches der Betrag gegangen sein soll, befindet sich im türkischen Nordzypern.

Die 300.000 Euro sind Teil einer Spende des russischen Geschäftsmanns Igor Vidyaev. Dessen Kunst-, Kultur-, und Sportförderungsstiftung hat den Osterfestspielen 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt - zahlbar in mehreren Tranchen bis zum Jahr 2018. "Kaum war die erste Rate in Höhe von 800.000 Euro auf dem Konto der Osterfestspiele eingegangen", habe Dewitte veranlasst, dass für "die angebliche Vermittlung" eine Provision von 300.000 Euro gezahlt werde, heißt es in der Anzeige. Freilich ohne dass es jemals eine Vermittlung gegeben habe. Den Kontakt zu Vidyaev soll der ebenfalls entlassene technische Leiter der Sommerfestspiele, Klaus Kretschmer, hergestellt haben. Der Russe war bei Kretschmer polizeilich gemeldet.

"Das ist ein Kriminalfall, den die Justiz zu klären hat", heißt es dazu aus dem Büro von Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP). Politisch bleibt das Auftreten von Vidyaev als großzügiger Mäzen für Burgstaller aber auch ohne mögliche strafrechtliche Komponente heikel. Denn der im Lebensmittelhandel reich gewordene Russe hat gleichzeitig um die österreichische Staatsbürgerschaft angesucht. FPK-Nationalratsabgeordneter Martin Strutz vermutet, dass dem Russen dabei von Burgstaller geholfen worden sein soll.

Die Landeshauptfrau weist dies strikt von sich. Es habe nur ein Gespräch mit Vidyaev und seiner Familie gegeben. Dieser habe zwar einen Antrag gestellt, dieser sei aber von der Bundesregierung abgewiesen worden. Der Spendenvertrag sei trotzdem zustande gekommen. Inzwischen läuft ein zweites Einbürgerungsverfahren.

Dewitte selbst - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - war am Sonntag für den Standard nicht erreichbar. Er soll sich in Belgien aufhalten. Während Boulevardmedien bereits vermuten, Dewitte habe sich mit seiner Frau Yvette "abgesetzt", dementieren laut ORF-Lokalradio die Dewittes jede Fluchtabsicht. Man befände sich auf Verwandtschaftsbesuch.

Was die Zukunft der Osterfestspiele angeht, hält sich Landeshauptfrau Burgstaller bedeckt. Für kommende Woche ist eine Sondersitzung des Kuratoriums angesetzt. In dieser dürfte auch über eine Neugründung der Gesellschaft beraten werden. Diese soll als Aufsichtsorgan einen Aufsichtsrat erhalten, in dem, wie es ein Sprecher Burgstallers formuliert, "die Politik nicht dominant" ist, sondern Kultur- und Wirtschaftsfachleute das Sagen haben.

Im Zusammenspiel mit den Sommerfestspielen will man Synergien in der Technik nutzen, gesellschaftsrechtlich und personell soll es aber zur strikten Trennung kommen. Das hätte auch bisher gegolten. (Thomas Neuhold / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2010)