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Ewig Warten auf Verhandlungen: Demos in Skopje im Dezember 2009.

Foto: Epa/Georgi Licovski

Als vergangenen Dezember im EU-Rat die Entscheidung fiel, dass Mazedonien doch keinen Termin für den Beginn der Beitrittsverhandlungen bekommt, versammelten sich Demonstranten vor der EU-Delegation in Skopje. Viel Ärger hatte sich da angesammelt. "Wenn sich die Lösung weiter zeitlich verzögert, kann das sicherlich das Potenzial haben, dass dies zu interethnischen Spannungen führt" , warnt Erwan Foueré, der Leiter der EU-Delegation in Skopje nun.

Die EU verliert an Glaubwürdigkeit. Gerade weil Mazedonien im Vorjahr mit Reformen positiv aufgefallen ist, hat die Kommission dies zwar in ihren Fortschrittsberichten gewürdigt. Genützt hat das aber nichts. "Je mehr Zeit verstreicht, desto schwieriger wird es, den Reformgeist aufrechtzuerhalten" , sagt Foueré zum Standard. Denn Griechenland blockiert weiterhin die Aufnahme von EU-Verhandlungen, wegen eines absurden Namensstreits. 1991 hatte sich die jugoslawische Teilrepublik 1991 unter dem Namen "Republik Mazedonien" für unabhängig erklärt, seitem fürchtet Athen Gebietsansprüche, weil es eine griechische Region "Makedonien" gibt.

Während im Seestreit zwischen Kroatien und Slowenien, Zagreb Unterstützung aus Brüssel und von EU-Staaten bekam, wird Skopje im Stich gelassen. "Es gibt viel Enttäuschung" , bestätigt Foueré. Auf ein Datum, an dem der Beginn von EU-Verhandlungen festgelegt wird, will sich Foueré gar nicht einlassen. Bisher hieß es, Skopje sollte während der spanischen Präsidentschaft im März grünes Licht bekommen.

Immerhin haben der griechische Premier Giorgios Papandreou und sein mazedonischer Amtskollege Nikola Gruevski vergangene Woche wieder miteinander telefoniert. Doch nur, wenn die Treffen in einem "intensivierten Rhythmus" stattfänden, sei eine Lösung möglich, ist Foueré überzeugt. Im Weg steht auch eine Klage, die Skopje gegen Athen vor dem Internationalen Gerichtshof eingebracht hat, weil Athen gegen eine Vereinbarung, ein Veto eingelegt hatte, als Mazedonien im Vorjahr der Nato beitreten wollte. Mazedonien wurde wieder und wieder vertröstet. Seit Dezember 2005 hat der Zweimillionen-Einwohner-Staat bereits den Kandidatenstatus. Seither wartet man auf Verhandlungen. Obwohl für alle Balkanstaaten gilt, dass Fortschritte die Geschwindigkeit des Beitrittsprozesses bestimmen, musste Skopje auch zuletzt bei der Visa-Liberalisierung auf die Nachbarn warten, obwohl diese hinterherhinken. Manche zweifeln nun, dass die EU an dem sogenannten "Regatta-Prinzip" (wer vorn liegt, darf beitreten) bleiben wird oder etwa Serbien, Montenegro und Mazedonien gleichzeitig aufnehmen wird.

Die Uno hat im Namensstreit die Vorschläge "Nord-Mazedonien" oder "Ober-Mazedonien" ins Spiel gebracht, doch eine Einigung scheiterte bisher an Provokationen beider Seiten. Skopje ließ etwa den Flughafen nach "Alexander dem Großen" benennen. "Die Regierung versucht so die Identität des Land zu finden" , sagt Foueré. "Aber hilfreich ist das nicht."

Tatsächlich hat Mazedonien nicht nur wegen Griechenland ein Identitätsproblem. Bulgarien hat vielen Mazedoniern Arbeitserlaubnisse und Pässe gegeben. Und die mazedonischen Albaner - ein Viertel der Bevölkerung - haben sich zwar damit abgefunden, dass sie zu Mazedonien gehören, sie hissen aber lieber die albanische Flagge. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, Printausgabe 9.2.2010)