München - Die Siemens-Managerin Jill Lee, die Karrierechancen von Frauen und ausländischen Nachwuchskräften verbessern sollte, verlässt den deutschen Elektrokonzern nach nur eineinhalb Jahren. Lee kehre aus ihrer Position als Chief Diversity Officer zurück ins operative Geschäft und übernehme eine neue Aufgabe außerhalb des Konzerns, teilte Siemens am Mittwoch in München mit. Eine Nachfolgeregelung ist noch nicht getroffen. Das Thema bleibe aber Chefsache und behalte "Top-Priorität im Management", sagte eine Siemens-Sprecherin.

Das Unternehmen hatte die Initiative für mehr Internationalität und Vielfalt bei der Besetzung von Managementpositionen und bei der Förderung von Talenten breit verkündet und den Posten Lees dafür eigens geschaffen. Unter der Führung der Managerin aus Singapur entstand ein Netzwerk von 500 Diversity-BotschafterInnen sowie ein Frauen-Netzwerk, wie das "Handelsblatt" (Mittwoch) berichtete. Bei Bewerbungen um Führungsposten müsse zudem mindestens ein/e KandidatIn in der Endrunde die Vielfaltkriterien erfüllen. Generell geht es darum, geeignete Talente in aller Welt aufzuspüren und über spezielle Programme zu fördern.

Unerfüllter Wunsch nach mehr Unterstützung

Nach Aussagen eines Branchenkenners ist Lee bei ihrer Aufgabe auch auf Widerstand gestoßen und habe sich mehr Unterstützung gewünscht, hieß es im "Handelsblatt". Dies weise Siemens aber entschieden zurück. Die Unternehmenssprecherin erklärte, Lee habe die Station als Chief Diversity Officer von Anfang an als "Seitwärtsschritt" in ihrer Karriere verstanden und sich dieser Aufgabe maximal zwei Jahre widmen wollen, um dann wieder operative Verantwortung zu übernehmen. Ihr Vertrag laufe noch bis Ende Mai, danach verlasse sie das Unternehmen auf eigenen Wunsch, weil sie ein attraktives Angebot habe und sich neuen Herausforderungen stellen wolle. Es werde einen "geordneten Übergang" geben.

Zu weiß, zu deutsch, zu männlich

Konzernchef Peter Löscher hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt bemängelt, das Management von Siemens sei zu weiß, zu deutsch und zu männlich. Am Mittwoch erklärte er, mit der vor eineinhalb Jahren gestarteten Initiative entspreche das Unternehmen der Vielfalt seiner Kunden und des Geschäfts. Nach dem Abschluss der Startphase solle die Diversity-Initiative jetzt in eine nächste Etappe gehen. Die dafür vorgesehenen Weichenstellungen sollten in Kürze folgen.

Frauenanteil um die 25 Prozent

Im vergangenen Geschäftsjahr 2008/09 (30. September) lag der weltweite Frauenanteil der Siemens-Mitarbeiter bei 25 Prozent und deutschlandweit bei 21 Prozent, wie die Unternehmenssprecherin sagte. Zugleich hätten Frauen weltweit einen Anteil von 35 Prozent bei den Neueinstellungen gehabt, in Deutschland seien es 23 Prozent gewesen. Vergleichszahlen aus den Vorjahren lägen nicht vor, der Frauenanteil bei Siemens steige aber tendenziell. Es dauere eine gewisse Zeit, bis sich die neuen Prozesse auch zahlenmäßig niederschlügen, sagte die Sprecherin. Siemens hatte weltweit zuletzt 405.000 Beschäftigte, in Deutschland arbeiten rund 128.000 Menschen für das Unternehmen. (APA/dpa)