New York - Erstmals haben Wissenschafter Hirnareale identifiziert, die an spirituellen und religiösen Einstellungen und Verhalten beteiligt sind. Wie italienische Mediziner an Patienten mit Hirntumoren entdeckten, beeinflussen die hinteren Scheitellappen des Großhirns maßgeblich die Spiritualität eines Menschen.

Die Forscher der Universität Udine untersuchten bei den Krebspatienten das Gefühl der Selbst-Transzendenz, also die Fähigkeit, sich als Bestandteil des gesamten Universums zu fühlen. Dabei prüften sie, wie die Entfernung der Tumoren diese Eigenschaft beeinflusste. Dies glichen sie mit den durch die Operation verursachten Schäden ab. "Dieses Vorgehen erlaubt uns, die durch bestimmte Hirnverletzungen verursachten Veränderungen der Selbst-Transzendenz und den Anteil der Stirn-, Schläfen- und Scheitelareale zu erforschen", sagte Studienleiter Cosimo Urgesi.

Das Ergebnis: Bestimmte Verletzungen der hinteren Scheitellappen beider Hirnhälften verstärkten bei den Patienten das Gefühl der Selbst-Transzendenz. Somit beeinflusse die Aktivität dieser Hirnareale die spirituelle und religiöse Haltung eines Menschen, folgern die Forscher im Fachblatt "Neuron". Dies werfe ein neues Licht auf die neurobiologische Grundlage spiritueller und religiöser Einstellungen im Falle neurologischer und mentaler Störungen. (APA/apn/red)