Wer sein Fahrrad an ein Verkehrszeichen kettet, darf sich nicht wundern, wenn es dort nicht lange hängen bleibt und flüge wird.

Foto: Guido Gluschitsch

So schaut es aus, das Fahrrad-Ticket nach Simmering, um wohlfeile 48 Euro.

Foto: Guido Gluschitsch

Unweit des Grabens war vor wenigen Tagen noch ein Fahrrad an ein Verkehrszeichen gekettet. Heute ist es nicht mehr da. Inzwischen steht es ein paar Bezirke weiter, in Simmering - nein, viel mehr am Ende von Simmering. Dort, wo auch die Autos stehen, die eine Einfahrt versperrten oder im Parkverbot abgestellt wurden. „Auch Fahrräder, die nicht der Straßenverkehrsordnung entsprechend abgestellt sind, werden von uns entfernt und nach Simmering gebracht", sagt Christian Jurkovits, Leiter der Abschleppgruppe der Magistratsabteilung 48 in Wien.

In der Regel werden an Fahrräder, die für die Entfernung vorgesehen sind, Plaketten angebracht. Diese Zettel, auf denen steht, dass die MA 48 das Fahrrad demnächst entfernen wird, hängen zumeist eine oder zwei Wochen am Lenker, bevor die Räder abgeholt werden. Fahrräder, die besonders im Weg sind, werden auch schneller abtransportiert.

Meldungen kommen von Anrainern
Ein Trupp der MA 48 meldet der Zentrale die Fahrräder, die zu entfernen sind. „Meldungen kommen aber auch von Anrainern, denen das Rad im Weg ist, den Magistratischen Bezirksämtern oder von der Polizei." Im Grunde funktioniert also alles wie auch bei den Autos. Kann man dann folglich auch sein abgeschlepptes Fahrrad wieder abholen, wenn es erst einmal in Simmering steht?

„Mindestens zwei Monate stehen die Fahrräder bei uns am Platz. Wir sind dazu verpflichtet, die Räder so lange zu verwahren und den Besitzer darüber zu verständigen, dass sein Fahrzeug bei uns steht. Bei Autos mit Kennzeichen ist das recht einfach - da gibt es einen Zulassungsbesitzer, den wir anschreiben. Den Fahrradhalter können wir nur selten ausforschen, nur wenige der Räder sind mit Chips versehen oder sind sonstwie auf einen Besitzer zurückzuführen." In dem Fall werden die Meldungen in den Magistratischen Bezirksämtern angeschlagen und so öffentlich gemacht.

48 Euro plus 2 Euro pro Tag
Der, dessen Fahrrad abgeschleppt und verwahrt wurde, zahlt auch genau dafür, wenn er es wiederhaben möchte: „Die Abholung des Rades kostet 48 Euro, und für jeden Tag, an dem das Fahrrad bei uns steht, fallen noch einmal 2 Euro an", erklärt Christian Jurkovits. Wer sein Fahrrad wiederhaben möchte, wird nach einigen Details zum Rad befragt, auch zum Ort, an dem es abgesperrt wurde. „Wir müssen das Fahrrad ja eindeutig seinem Besitzer zuordnen können", will Christian Jurkovits ausschließen, dass sich jemand um 48 Euro und ein paar zwei Euro-Münzen immer wieder mit Rädern bei ihm eindeckt.

Fahrräder, die von ihren Besitzern in Simmering nicht abgeholt wurden, kann man aber recht einfach und günstig kaufen - denn die kommen auf den „48er Basar", in der Stadlauer Straße 41 A, im 22. Bezirk. Wenn die MA 48 aber einen scheinbar herrenlosen alten Rahmen von einem der „Wiener Bügel" trennt oder nur mehr eine verbogene Felge abtransportiert, dann werden die Fahrrad-Teile einfach verschrottet, und der Abschlepp-Dienst wird eher zum Fahrrad-Leichen-Transport. Obwohl, so viele rostige Rahmen und Fahrradreste, wie in Wien angekettet sind, rückt die MA 48 anscheinend nicht jeden Tag aus, um die Radständer benutzbarer zu machen.

Was man selbst anstellt, wenn man auf seinem Rad so ein Pickerl findet, das eine baldige Verfrachtung in den Süden Wiens ankündigt, hängt davon ab, wie wohlerzogen man ist. Wer ungalant ist, entfernt einfach das Pickerl und stellt sein Fahrrad richtig ab, wer freundlich ist, ruft auch noch bei den legalen Radlschleppern an und sagt, dass er sein Fahrrad entfernt hat. (Guido Gluschitsch)