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Hans Niessl, SP-Chef im Burgenland, steht im Mai zur Wahl.

Foto: APA/ROBERT JAEGER

Wien - In vier von neun Bundesländern ist die rote Welt noch heil: Dort wird regiert, auch wenn mancherorts Platz eins wackelt. Plus: Sonderfall Wien.

  • Burgenland: Die Probleme, welche die burgenländische SPÖ hat, würden sich die Roten in anderen Bundesländern wohl wünschen. Denn die pannonischen Roten leiden höchstens daran, dass sie schwer übergewichtig sind. Bei der Landtagswahl im Mai muss Landeschef Hans Niessl die Absolute verteidigen. Die aktuelle Umfrage der Bezirksblätter sieht die SPÖ bei 48 Prozent, das wäre ein Minus von 4,2 Prozentpunkten. Und in der Vergangenheit bewies die burgenländische Landesorganisation im Endspurt stets ein beeindruckendes Mobilisierungsgeschick. Dieses wird diesmal zusätzlich durch das Thema Eberau befeuert: Am 21. März findet eine Volksbefragung im Landessüden statt, zurzeit läuft eine landesweite Unterschriftenaktion. Nach außen hin steht die Partei geschlossen hinter Niessls strammem Kurs. Hinter vorgehaltener Hand wird der allerdings zunehmend kritisiert, nicht nur in Bezug auf Eberau. Niessls Führungsstil - hört man - sei zunehmend autoritär. Wer gnädig sein möchte, nennt das: landesväterlich.
  • Steiermark: Wie es um die steirische SPÖ bestellt ist, wird sich bei den Gemeinderatswahlen am 21. März zeigen. Sechs Monate später steht Landeshauptmann Franz Voves mit den Landtagswahlen dann der Elchtest ins Haus. Voves ist in den letzten Jahren zumindest eines gelungen: seine Partei, die in der Zeit vor ihm in zwei Lager zu zerfallen drohte, zu einen. Er ist der Frontmann, mit ihm steht oder fällt die steirische SPÖ. Was auch den Effekt hat: Die Verantwortung dieser Wahl liegt bei ihm. Also hat Voves angekündigt: Wenn er Zweiter werde, gehe er zurück in die Wirtschaft. Ein Schwachpunkt ist Graz. Hier hat die SPÖ nach der Wahlniederlage 2008 und der schwarz-grünen Koalition die Füße noch immer nicht auf den Boden bekommen. Eine heikle Baustelle für Voves, werden hier doch die Wahlen gewonnen oder verloren.
  • Salzburg: In Salzburg hat die SPÖ schon bessere Zeiten gesehen. Nach dem Wahlsieg 2004 ist es Landeshauptfrau Gabi Burgstaller im März mit 39,4 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) gerade noch gelungen, Platz eins vor der ÖVP (36,5 Prozent) zu verteidigen. Seither liegt die SPÖ in den Umfragen meist hinter den Schwarzen rund um Wilfried Haslauer junior. Die Roten plagen Personalprobleme: Hinter Burgstaller und der ewigen Parteihoffnung Landeshauptfraustellvertreter David Brenner kommt wenig nach. Auch die so wichtige Stadtpartei schwächelt. Bürgermeister Heinz Schaden musste letzten März gegen den eher farblosen VP-Stadtvize Harald Preuner sogar in die Stichwahl. Der als Schaden-Nachfolger nominierte Martin Panosch kann in Umfragen nicht punkten. Dazu kommt jede Menge neues Ungemach. Skandale wie jene um die Olympiabewerbung 2014 oder die Osterfestspiele gehen stimmungsmäßig zulasten der Roten.
  • Wien: Die 49,1 Prozent der SPÖ sind - der speziellen Wahlarithmetik sei's gedankt - eine absolute Mandatsmehrheit, sogar 48 oder 47 Prozent dürften es noch sein. Aber: Es wird eng für Bürgermeister Michael Häupl, wenn die Wiener am 10. Oktober den Gemeinderat neu wählen. Wenn das Gros der Meinungsforscher, das die SP knapp über 40 Prozent sieht, nicht irrt, dann wird er sich einen Koalitionspartner suchen müssen. Oder Häupls Nachfolger - denn auch um eine Personaldebatte wird die SP nicht herumkommen. Neben Wohnbaustadtrat Michael Ludwig gilt Sozialminister Rudolf Hundstorfer als Bürgermeister-Kandidat, Außenseiterchancen hat Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch. (wei, neu, mue, hei, DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2010)