Berlin/Hildesheim - An katholischen Jesuitenkollegs und Schulen in Deutschland sind wesentlich mehr Schüler sexuell missbraucht worden als bisher bekannt. "Es sind inzwischen über 100 Fälle, die sich am Canisius-Kolleg oder bei mir gemeldet haben", bestätigte die vom Jesuiten-Orden mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragte Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue am Montag der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Dabei hätten nicht alle Opfer das Canisius-Kolleg in Berlin besucht, stellte Raue klar. Darunter seien Opfer, die mit Namen oder anonym Angaben gemacht haben. Sie wolle versuchen, noch in dieser Woche einen Zwischenbericht vorzulegen, sagte Raue. Was sie darin vorschlage, wolle sie vorher nicht öffentlich bekanntgeben.

Allein beim Bistum Hildesheim (Niedersachsen) sind nach einem Appell von Bischof Norbert Trelle an bisher schweigende Opfer Hinweise auf zwölf weitere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester eingegangen. Man habe unter anderen Hinweise auf den Missbrauch dreier Minderjähriger durch den Jesuitenpater Bernhard E. erhalten, teilte das Bistum am Montag mit. Der später in Berlin und Hamburg tätige Pater habe in den 70er-Jahren in der Jugendseelsorge in Hannover gearbeitet.

Nach Angaben des Bistums erklärte außerdem eine Frau, in den 90er-Jahren von dem ebenfalls durch den Missbrauchsskandal bekanntgewordenen Pater Peter R. sexuell belästigt worden zu sein. Den Angaben zufolge gingen zudem Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch sechs weitere bereits verstorbene Priester ein. Ein anderes Opfer habe zudem über einen seit langen im Ruhestand lebenden Seelsorger Beschwerde geführt, hieß es. (APA)