Wien - Es waren 1,43 Prozent der in Österreich lehrenden islamischen Religionspädagogen oder sechs von 420, die im Vorjahr zu einer Überprüfung ihrer Deutschkenntnisse vergattert wurden. Das Ergebnis: Vier der sechs Lehrer haben bestanden, zwei haben auf die Prüfung verzichtet und sind aus dem Schuldienst ausgeschieden, sagt die Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Carla Amina Baghajati zum STANDARD.

Der Deutschtest sollte darüber entscheiden, ob die Islamlehrer weiter lehren dürfen oder nicht. Grund dafür war die Doktorarbeit des Soziologen Mouhanad Khorchide (Interview oben) zum Thema "Der Islamische Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft". Darin hatte sich ein Drittel der Befragten wegen schlechter Deutschkenntnisse und mangelnder Ausbildung überfordert gefühlt.

Unterrichtsverbot

Als Reaktion darauf verpflichtete das Bildungsministerium, das - egal, welche Konfession - über Religionslehrer nur ein Unterrichtsverbot verhängen, sie aber nicht entlassen kann, alle Islamlehrer zum Nachweis von Deutschkenntnissen auf Maturaniveau.

Über einen anderen Islamlehrer in Wien, der in der Klasse eine Liste vermeintlich jüdischer Konzerne, die zu boykottieren seien, verteilt haben soll, wurde vom Ministerium ein Unterrichtsverbot verhängt. Das eingeleitete Disziplinarverfahren wurde dann aber nicht beendet, da der betroffene Lehrer selbst gekündigt hat.

Eine weitere Vorgabe des Ministeriums wurde von der IGGiÖ vollständig erfüllt: Im Herbst haben laut Baghajati alle Islamlehrer einen neuen Dienstvertrag unterschrieben - inklusive Präambel, die ein grundlegendes Bekenntnis zu Demokratie, Menschenrechten und Toleranz beinhaltet. Und der neue Lehrplan erfahre in Zusammenarbeit mit dem Kultusamt gerade seinen "Feinschliff". (nim/DER STANDARD-Printausgabe, 16.2.2010)