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Schauspielerin Glaser bei der Verleihung des Swiss Awards "Schweizerin des Jahres 2006".

Foto: Reuters/SIGGI BUCHER

Zürich - Als altersstarke Martha in Bettina Oberlis "Die Herbstzeitlosen" eroberte Stephanie Glaser 2006 die Herzen des Filmpublikums. Am 22. Februar feiert die Schweizer Volksschauspielerin ihren 90. Geburtstag. "Ich habe doch selten gemacht, was ich sollte. Das war nicht einfach mit mir, furchtbar!" So beschreibt sich Glaser im Buch "Das volle Leben", in dem die Autorin Susanna Schwager zwölf Frauen über 80 zu Wort kommen lässt.

Wenn man sie so reden hört, mit Pfiff, Witz und Eigensinn, dann ist ihre Martha nicht mehr weit: die gelernte Schneiderin, die nach dem Tod ihres Mannes ein neues Leben beginnt und - zum Ärger der Scheinheiligen und Hinterwäldler im Dorf - mit 80 Jahren noch eine Dessous-Boutique eröffnet.

Auch sie sei schon als Kind ein Dickschädel gewesen, erzählt Glaser. Zur Welt kam sie am 22. Februar 1920 in Neuenburg. Ihre Eltern waren Hoteliers. In Bern wuchs Stephanie auf, hier ging sie zur Schule, ohne Freude allerdings: "Ach, es langweilte mich einfach, es interessierte mich nichts. Außer wenn sie uns Geschichten erzählten." So wie 1932, als das Stadttheater das Märchen "Peterchens Mondfahrt" inszenierte.

Wie sie zum Theater kam

Damals sei der Funken vom Theater auf sie übergesprungen. Einem Schauspieler trug sie einen Text von Gerhart Hauptmann vor. Sie gefiel, worauf sie sich mit dem Segen ihrer Eltern am Reinhardt-Seminar in Wien einschrieb. Dort lernte Glaser nicht nur die Schauspielerei, sie erlebte auch den Einmarsch Hitlers. "Das war furchtbar. Plötzlich war die große Mehrheit pro Nazi." Sie verließ Wien und kehrte - ungern, wie sie heute betont - nach Bern zurück, spielte im Stadttheater kleine Rollen und trat auf der Soldatenbühne "Bärentatze" auf.

Nach dem Krieg landetet die Schauspielerin beim Cabaret Fédéral in Zürich und spielte in Gotthelf-Verfilmungen von Franz Schnyder mit. "Ich wurde Kabarettistin und Volksschauspielerin, mein Weg ging so, und es war gut." Zum Publikumsliebling avancierte Glaser erstmals 1974 bis 1981, als sie als Tante Elise mit Goldfisch "Traugottli" in der Fernsehshow "Teleboy" von Kurt Felix auftrat.

Filmauftritte

Ende der 80er Jahre kehrte sie zum Film zurück. Sie spielte mit bei "Klassäzämekunft", "Leo Sonnyboy", "Sternenberg" oder "Meine Name ist Eugen" und - als Krönung - in Oberlis Kassenschlager. "Die Herbstzeitlosen" war 2006 der beliebteste Kinofilm der Schweiz und gehört zu den fünf erfolgreichsten Titeln der letzten 25 Jahre.

Kein Wunder, dass Stephanie Glaser als Publikumsliebling des Jahres mit dem Prix Walo 2006 ausgezeichnet wurde. Im gleichen Jahr erhielt sie den Swiss Award in der Sparte Kultur und den Spezial-Leoparden beim Filmfestival Locarno. Seither hat sie in drei weiteren Filmen mitgespielt. Denn, so sagte sie Susanna Schwager: "Alt werden heißt für mich nicht unbedingt, sich zur Ruhe zu setzen, rumsitzen. Solange sie mich wollen und solange es geht, werde ich arbeiten. Weil es mir Freude macht." (APA)