Wien - Nach dem "Ja" zum flächendeckenden Angebot an Ganztagsschulen beim Endergebnis der Wiener Volksbefragung will die Stadtregierung innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre mindestens 20 neue derartige Einrichtungen schaffen. Geplant ist laut dem Büro von Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) eine sukzessive Umstellung: Neuerbaute Schulen sollen in ganztägiger Form starten und im Rahmen des Schulsanierungspaketes bestehende Bauten adaptiert werden. Aus Sicht von Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) sollen Ganztagsschulen überhaupt "a la longue zur Norm werden", auch an Oberstufen-AHS.

Bis Ende 2010 soll der Bedarf erhoben und ein Zeitplan für den Ausbau ganztägiger Schulen, bei denen sich Unterricht, Freizeit und Betreuung abwechseln ("verschränkte Form"), erstellt werden. Ziel sei es, eine Ganztagsschule pro Bezirk - bzw. im Falle kleiner Bezirke pro Region - anzubieten, so dass jedes Kind zwischen Ganztags- und Vormittagsschule wählen kann.

Brandsteidl: "Sehr positives" Ergebnis

Brandsteidl zeigte sich erfreut. Das Ergebnis sei "sehr positiv", mit einem so deutlichen Votum habe sie nicht gerechnet. Aufgabe des Stadtschulrats bei diesem Projekt werde die pädagogische Qualitätssicherung und die Anpassung der Lehrerausbildung sein. "Die Schule des 21. Jahrhunderts heißt Schule über den ganzen Tag, auch für Lehrer", so Brandsteidl. In Wien gebe es diesbezüglich eine gute Tradition, vor allem bei den Privatschulen.

Brandsteidl will die Ganztagsschule dabei nicht, wie bisher üblich, auf die Schulformen Volks- und Hauptschule beschränkt sehen. Bis in die Jahre 2030 bis 2035 werde die Schule "ganz selbstverständlich ganztägig sein", auch die AHS-Oberstufe. An den berufsbildenden Schulen sei das ja teilweise schon jetzt der Fall.

Derzeit gibt es in Wien keine einzige AHS mit "verschränkter Form", im kommenden Schuljahr sollen laut Brandsteidl allerdings zwei bis drei Ganztags-AHS starten. Schon jetzt gibt es 23 Volksschulen und vier Hauptschulen, die als Ganztagsschulen geführt werden.

Grüne: Mehr Platz in Schulen notwendig

Die Schulsprecherin der Grünen Wien, Susanne Jerusalem, warnte unterdessen davor, "die Kinder einfach in übervolle, für den halben Tag konzipierte Schulen hineinzustopfen", auch Container seien keine Lösung. Jerusalem fordert Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) auf, die geplanten Ganztagsschulen entweder neu zu errichten oder aber mittels Aufstockung, Dachbodenausbauten oder Anbauten baulich zu erweitern. Häupl solle dem Gemeinderat in der nächsten Sitzung einen Finanzierungs- und Zeitplan vorlegen. (APA)