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Der Papst und die irischen Bischöfe beim Gespräch im Vatikan - Konkrete Ergebnisse brachte dies bisher nicht

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London/Berlin - Die Weigerung des Vatikans, bei der Aufklärung des verheerenden Kindesmissbrauchsskandals enger mit den weltlichen Behörden zusammenzuarbeiten, hat in Irland Empörung ausgelöst. Ein Oppositionssprecher wertete als "Skandal", dass der apostolische Nuntius in Dublin die Einladung zu einer Anhörung im irischen Parlament Dáil abgelehnt hat. Der Besuch irischer Bischöfe bei Papst Benedikt XVI. in Rom endete ohne konkrete Ergebnisse; die Rücktrittsgesuche dreier Bischöfe, denen eine staatliche Untersuchungskommission schwere Versäumnisse angelastet hatte, blieben unbeantwortet. Kindesmissbrauch sei "ein scheußliches Verbrechen und eine schwere Sünde, die Gott beleidigt", bekräftigte der Pontifex und rief die irischen Glaubensbrüder zur Einigkeit auf.

Der Papst hatte die Bischöfe, darunter ein Kardinal und drei weitere Erzbischöfe, für Montag und Dienstag in den Vatikan einbestellt, um die Krise des irischen Katholizismus zu besprechen. Die Würdenträger hätten "offen gesprochen über den Schmerz und Zorn, den Verrat und die Schande", den die Opfer des jahrzehntelangen Missbrauchs empfinden, hieß es in einer Erklärung des Vatikans. Die Bischöfe hätten sich "zur Zusammenarbeit mit den weltlichen Behörden" auf der grünen Insel bekannt.

Scharfe Kritik an Vatikan

Zwei staatliche Untersuchungskommissionen hatten die irischen Bischöfe und den Vatikan scharf für ihr mangelhaftes Vorgehen gegen sexuelle Gewalttäter in der Soutane kritisiert. Den Bischöfen sei es zwischen 1975 und 2004 "vorrangig um die Reputation der Kirche" gegangen, heißt es in dem mehr als 700 Seiten langen Bericht von Richterin Yvonne Murphy, die den Zuständen in der Erzdiözese Dublin auf den Grund ging; das Wohl der betroffenen Kinder habe "keine Rolle" gespielt. Jahrzehntelange systematische Vertuschung körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern durch katholische Priester und Laienführer hatte auch die Kommission zutage gefördert, die Missbrauchsvorwürfen in Kinderheimen und sogenannten Arbeitsschulen katholischer Orden auf den Grund gegangen war. Premierminister Brian Cowen nannte die Versäumnisse der Kirche "unmoralisch, beschämend und skandalös".

In Dublin wird darauf verwiesen, dass die irische Bischofskonferenz 1996 und 2005 Dokumente zum besseren Kinderschutz erarbeitet hatte, denen der Vatikan die Zustimmung verweigerte. Dadurch habe "Rom ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen", heißt es im Murphy-Bericht. Selbst seriöse Medien wie die Irish Times fordern nun eine bessere Kooperation der Kirche bei den staatlichen Ermittlungen, die inzwischen auf andere Diözesen ausgedehnt wurden. Der Vatikan "müsse seine Archive öffnen", fordert das Dubliner Blatt. Laut Murphy-Kommission lagern dort mindestens 100 geheime Akten über pädophile irische Priester.

In Deutschland fordern indes die ersten Missbrauchsopfer Entschädigung. "Meine Mandanten sind mit einer Entschuldigung nicht zufrieden, sondern erwarten eine Entschädigung vom Jesuitenorden", sagt die Berliner Anwältin Manuela Groll, die neun ehemalige Schüler des Berliner Canisius-Kollegs vertritt. Sie spricht von 5000 bis 10.000 Euro pro Fall. Bis her haben sich in Deutschland mehr als 100 Opfer gemeldet.

In Österreich wurden im Vorjahr acht Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche nachgewiesen, alle in der Diözese Wien. Sechs Fälle sind verjährt, zwei Verfahren laufen noch. (Sebastian Borger Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2010)