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Obwohl Quargel nicht aus Rohkäse hergestellt wird, kann er zur Brutstätte von Listerienkulturen werden - wie die aktuelle Affäre um den "Hartberger Quargel"

Foto: APA/FRANCK ROBICHON

Durch Listerien hervorgerufene Erkrankungen sind europaweit im Ansteigen. Besonders betroffen sind Frankreich und die Schweiz. In der "Quargel-Affäre" wehrt sich das Ministerium

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Graz/Wien - Rinderseuche, Dioxin im Schweinefleisch und jetzt Listerien im Käse: Was kann man heute ohne Bedenken noch essen?

"Es muss uns bewusst sein, dass es sehr sensible Lebensmittel gibt. Das ist so. Grundsätzlich sind unsere Lebensmittel in Österreich aber sicher, es gibt laufend flächendeckend Kontrolluntersuchungen, es braucht sich keiner zu fürchten", sagt Ulrich Herzog, zuständig im Gesundheitsministerium für die "Verbrauchergesundheit", im Gespräch mit dem Standard.

25 Prozent der Patienten sterben

Dennoch: Jedes Jahr sterben bis zu 25 Prozent jener Patienten, die an Listeriose, einer durch Bakterien der Gattung Listeria verursachten Infektion, erkranken. Von 45 Erkrankten sind 2009 elf Patienten gestorben. Betroffen sind fast ausschließlich alte und immungeschwächte Menschen. Herzog: "Es wird generell europaweit ein Anstieg der Listeriosen registriert." Wie der aktuelle Fall des "tödlichen Quargels" gezeigt hatte, erwies sich Käse als guter Nährboden für Listerien.

Rohmilchkäse - Kühlung nützt nichts

Daher seien auch die Schweiz und Frankreich mit ihren großen Käsekulturen am stärksten von Listeriosefällen betroffen, da hier traditionell Rohmilch zur Käseerzeugung verwendet wird. Herzog: "Wer auf der sicheren Seite sein will, soll auf Rohmilchprodukte verzichten und auf pasteurisierten Käse umsteigen." Aber auch in der Küche ist auf alte, oft vernachlässigte Hygieneregeln zu achten. Herzog: "Zum Beispiel Salat nicht auf demselben Schneidbrett zerkleinern, auf dem vorher rohes Fleisch geschnitten wurde." Wie ja grundsätzlich Eiweiß-Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Eier oder Milch gute Brutstätten abgeben. "Und was besonders teuflisch ist: Kühlung nützt nichts, sie vermehren sich im Kühlschrank", sagt Herzog.

Aufdeckung eine "Erfolgsstory"

Zu den schweren Vorwürfen, das Ministerium habe die aktuelle Listerien-Affäre bewusst vertuscht, hält Herzog entgegen, dass die jetzige Aufdeckung "umgekehrt eine Erfolgsstory" gewesen sei. Denn erstmals sei es gelungen, aus einer Vielzahl an Erkrankungen anhand von DNA-Feintypisierungen klare Zuordnungen bis hin zum Verursacher im Hartberger Käsewerk zu schaffen. Fast detektivisch mittels Einkaufszettel, die die Ernährungsgewohnheiten der Patienten dokumentierten, konnte der Ausgangspunkt der Verseuchung eindeutig identifiziert werden. Das sei aber erst Ende Jänner gelungen. Herzog: "Wir konnten vorher nicht warnen, weil wir gar nicht wussten, wovor."

Die Firma Prolactal ist nach Aussagen der Konzernleitung noch keinen Schritt weitergekommen. Man versuche die Vorgänge lückenlos zu dokumentieren - zumal auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe 18.2.2010)