Für den Kapitalmarkt gab es einen, für die EU-Erweiterung auch, den für Lehrlinge und den für Klimaschutz, für die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern war es eine Sie, und auch die Weltausstellung Expo 2000 und die Fußball-EM 2008 waren den Regierenden so wichtig, dass sie einen gestellt bekamen: einen Regierungsbeauftragten.

Und ausgerechnet für das gesellschaftspolitisch wichtige Thema Integration soll oder darf es den nicht geben? Der ÖVP war am Mittwoch bereits der fiktive Gedanke daran eine Warnung an den Koalitionspartner SPÖ wert. Prophylaktisch hypernervös richtete die Volkspartei der SPÖ aus, sich nur ja nicht zu trauen, einen Regierungsbeauftragten für Integration zu verlangen. Nach dem Motto: Mir wern kan Integrationsbeauftragten brauchen.

Doch. Werden wir - wenigstens solange man sich nicht endlich zu einem eigenen Integrationsstaatssekretariat oder -ministerium durchringt. Denn das monopolistisch im Innenministerium verankerte und dort nachgerade autokratisch verwaltete Themenfeld Integration/Migration/Asyl ist eine Fehlkonstruktion. Sie führt zu dem (auch permanent vorgeführten) Kurzschluss, das Thema vor allem als polizeiliches (Un-)Sicherheitsthema und als Kriminalitätsproduktionsfaktor zu diskutieren bzw. zu diskreditieren.

Integration ist aber eine hochsensible Schlüsselaufgabe. Mindestens so wichtig wie der Jahrtausendsprung. - Ja, es gab kurzfristig sogar einen "Jahr-2000-Beauftragten".(Lisa Nimmervoll, DER STANDARD Printausgabe 18.2.2010)