Der Polizei und dem Verfassungsschutz sind sie längst ein Dorn im Auge: anonyme Wertkartenhandys und USB-Sticks, für deren Erwerb keine Registrierung des Käufers notwendig sind. Da sie keine personifizierte Spuren im Netz hinterlassen, sind sie trotz höherer Gesprächsgebühren auch bei einem Klientel beliebt, das aus unlauteren Gründen anonym bleiben will.

In vielen Ländern sind Daten-SIM-Karten, die keinem Besitzer zugeordnet werden können, bereits verboten. Nicht so in Österreich, wo praktisch jede Telekommunikationsfirma anonymes Telefonieren und Surfen anbietet. Dass, wie nun beim Mord an Mahmoud Abdel Rauf al-Mabhuh in Dubai, eine heimische Telefonnummer im Zusammenhang mit Terrorermittlungen auftaucht, ist keine Premiere. Schon bei den Anschlägen von Mumbai im November 2008 waren die Ermittler auf eine österreichischen Nummer gestoßen. Allerdings handelte es sich damals um eine nicht ortsgebundene Festnetznummer, die von einem ausländischen Provider verkauft worden war.

Rufdatenanalyse

Prinzipiell können auch Wertkartenhandytelefonierer und Anonymsurfer ausgeforscht werden. Und zwar über die Methode der Rufdatenanalyse. Dabei geht es darum, zumindest einen nicht-anonymen Anschluss in den Verbindungsdaten ausfindig zu machen. Der Rest ist gute alte kriminalpolizeiliche Ermittlungsarbeit: Hausdurchsuchungsbefehl beantragen, hingehen, Zeugen befragen, Hinweise sammeln.

Ausgefuchste Ganoven verwenden Wertkartenhandys höchstens drei Tage, um das Netz der Spuren möglichst großmaschig zu halten. Läuft die gesamte Kommunikation einer Bande ausschließlich über häufig wechselnde SIM-Karten, hat es die Polizei schwer, den Kreis zu knacken. In diesen Fällen gelingt der Nachweis, wann und wo Verdächtige miteinander kommuniziert haben, wenn überhaupt, erst im Nachhinein - also zumindest zur Sicherung von Beweisen. (simo/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2010)