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Jaromir Jag: "Einer, der hier nicht an Gold glaubt, hat hier auch nichts verloren. Punkt."

Foto: AP/ Slocum

Vancouver - Fast zwei Jahre sind vergangen, seit Jaromir Jagr die NHL unerwartet durch die Hintertür in Richtung Russland verlassen hat. Die Rückkehr des mittlerweile 38-Jährigen nach Nordamerika geriet vorerst zum Triumphzug. Tschechiens Eishockey-Idol führte die Auswahl seines Landes im ersten Spiel des Olympiaturniers in Vancouver mit einem Tor und einem Assist zu einem 3:1-Sieg gegen die Slowakei.

Jagr trug bei der Eröffnungszeremonie die tschechische Flagge ins Stadion. Eine große Ehre für den einstigen NHL-Star, der zweimal den Stanley-Cup gewonnen hat (1991 und 1992 mit den Pittsburgh Penguins) und fünfmal bester Torschütze der stärksten Liga der Welt war. Auch mit seiner politischen Einstellung versteckt er sich nicht. Jagr spielt stets mit der Rückennummer 68, aus Protest gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten 1968 in seine Heimat. "Das richtet sich aber nicht gegen Russland, sondern ist ein Gedenken an die Opfer in unserer Familie", erklärte er. Seine beiden Großväter kamen damals ums Leben.

Mittlerweile spielt Jagr in Russland. Und im Derby gegen die Slowakei bewies der Altstar, dass er in Sibirien (bei Avangard Omsk) nichts verlernt hat. Er mag nicht mehr so schnell sein wie in seinen besten Jahren, aber die Technik, die Übersicht, die Ruhe und das  Auge für das Spiel hat er immer noch.

Auch über die Scorerqualitäten verfügt er weiterhin. Gegen die Slowakei gelang ihm in der 38. Minute solo der Treffer zur 2:1-Führung, zwei Minuten später bereitete er das Tor zum 3:1-Endstand mit einem Kraftakt hinter dem Tor vor. Schon vor der Schlusssirene lachte Jagr über das ganze Gesicht, die riesige Zufriedenheit war ihm anzusehen.

"Irgendwie fällt mir diesmal alles leichter als bei meinen ersten drei Olympia-Teilnahmen", meinte Jagr. "Früher kam ich stets als NHL-Topscorer zu den Olympischen Spielen. Und alle Welt erwartete von mir, dass ich auch bei Olympia aus allen Rohren schieße. Diesmal ist das anders, obwohl der Druck natürlich immer noch groß ist. Die tschechischen Fans erwarten eine Medaille. Und ich fühle, dass ich dem Team immer noch helfen kann", sagte er.

An Motivation fehlt es Jagr auf jeden Fall nicht. "Je älter du wirst, desto größer auch die Motivation. Denn niemand sieht gerne gegen die Jungen alt aus." Auch für sein viertes Olympiaturnier hat sich das Mitglied des "Triple Gold Club" (Weltmeister, Olympiasieger, Stanley-Cup-Sieger; derzeit 22 Spieler) viel vorgenommen. Jagr: "Uns Tschechen wird gemeinhin zwar nicht viel zugetraut. Aber wenn sie mich oder meine Teamkollegen fragen, dann antworten alle: 'Ja, wir haben eine Chance!' Und so muss es auch sein. Denn einer, der hier nicht an Gold glaubt, hat hier auch nichts verloren. Punkt. Nächste Woche entscheidet jeweils ein Spiel über Weiterkommen oder Ausscheiden. Und in einem einzelnen Spiel kann immer alles passieren." (APA/Si)