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Eisbär und Grizzly sind bislang keine direkten Konkurrenten - im Norden Kanadas beginnt sich dies gerade zu ändern.

Foto: REUTERS/Thomas Peter, Mathieu Belanger

New York/Manitoba - Die Grizzlybären Kanadas gelangen auf ihren Wanderungen immer weiter nach Norden und dringen dabei in Regionen vor, die als wichtige Reviere der Eisbären gelten. Das berichten Biologen der City University of New York in der Zeitschrift "The Canadian Field-Naturist". Die Dokumentation von Grizzly-Sichtungen an bisher unüblichen Stellen weise darauf hin, dass die Grizzlys den Bestand ihrer weißen Verwandten gefährden könnten, so die Forscher. Bislang standen die beiden Spezies - beide eng mit unserem Braunbär verwandt und beide zu den größten Bären und damit Landraubtieren überhaupt zählend - nicht in direkter Konkurrenz zueinander.

Wanderung Richtung Norden

Ort des Geschehens ist der 11.000 Quadratkilometer große Wapusk National Park an der Westküste der Hudson Bay in der Provinz Manitoba. "Wapusk" ist das Wort der Cree für "weißer Bär", was auf die weltweit größte Region für Eisbären-Geburtshöhlen anspielt, die sich innerhalb der Parkgrenzen befindet. Der Grizzly war hier hingegen nie heimisch. Nicht einmal die Hudson's Bay Company, die über Jahrhunderte hinweg den Pelzhandel kontrollierte, hatte ihn in dieser Region in ihren Fallen gesichtet.

Ab 1996 wurden aber immer wieder Sichtungen von verirrten Grizzlys im Park berichtet. Neun Vertreter des sonst in den Rocky Mountains und am Yukon heimischen "Ursus arctor horribilis" konnten die Forscher dokumentieren. Die karge und nahrungsarme Region dazwischen war somit doch nicht die unüberwindbare Barriere, für die sie Biologen früher gehalten hatten. "Die Grizzlys dürften sie dank ihres flexiblen Speiseplans gemeistert haben, kommen doch sowohl Beeren als auch Fleisch für sie in Frage", berichtet Studienautorin Linda Gormezano. Der Wapusk mit seinen Karibus, Fischen und Beeren dürfte hingegen wie ein Schlaraffenland sein.

Bären als potenzielle Bärenjäger

Besorgt sind die Forscher nun um die (bisherige) Spitze der Nahrungspyramide des Parks, die Eisbären. Die wichtigste Nahrungsquelle für Eisbären sind zwar Meeressäugetiere wie Robben, sie fressen allerdings auch kleinere Landtiere. Grizzlys als die geübteren und vielseitigeren Landjäger könnten damit zur Konkurrenz werden - oder sogar zu Jägern der Eisbären selbst. "Grizzlys erwachen aus ihrem Winterschlaf zur selben Zeit, in der Eisbärenmütter ihre Kinder bekommen. Es scheint wahrscheinlich, dass sie diese töten werden", so Gormezano. Weiter beobachten müsse man, ob die Grizzlys im Park bleiben oder ihre Wanderschaft fortsetzen werden. (pte/red)