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Aurelius half der Hypo NÖ; Marc Aurel war der Namensgeber.

Foto: APA/dpa/Bruno Vandermeulen

Wien - Ruhe dürfte in der landeseigenen Hypo NÖ Investmentbank, rund um die nach einer Vor-Ort-Prüfung der Nationalbank staatsanwaltliche Ermittlungen laufen, nicht so bald einkehren.

Die Aufsicht kritisiert mangelhaftes Risikomanagement und Kontrolle; die Justiz erhebt gegen die Bankchefs, Peter Harold und Richard Juill, den Vorwurf der Bilanzfälschung. Sie hätten Verluste rund um eine Lehman-Anleihe vertuscht. Die Banker, für die die Unschuldsvermutung gilt, weisen das vehement zurück.

Dem Vernehmen nach könnte Juill aber demnächst seinen Posten quittieren - seine Geschäftsleiterbefugnis (ein Bankmanager muss "fit & proper" sein) stehe angesichts der aufklärungswürdigen Ereignisse in Frage. In der Bank sieht man es anders: Juills Vertrag laufe bis Jahresmitte, werde dann ausgeschrieben, man gehe davon aus, dass er sich wieder bewerben wird, heißt es in St. Pölten.

Juill ist seit Juli 2005 im Vorstand der landeseigenen Bank. Harold, bis März 2008 Manager in der Bank Austria, wurde per April 2008 Chef der Hypo Investment Bank, soll sie aber seit Herbst 2007 beraten haben (was ein Hypo-Sprecher in Abrede stellt). Der Grund dafür, warum diese Jahreszahlen in dem Fall wichtig sind: Die hoch komplizierten Veranlagungsdeals, die unter der Lupe stehen, wurden über Gesellschaften in Wien, Vaduz, Irland abgewickelt, die damals zum Teil erst gegründet worden sind.

Ganz sicher unter Harolds Ägide hat die Hypo NÖ übrigens im Vorjahr eine Bank in Bulgarien gründen wollen. Ein Joint-Venture sollte es werden, mit der bulgarischen Alfa Finance Holding; die Niederösterreicher sollten die Mehrheit halten. Zum Faktum, dass die Hypo ihr Ansuchen um Genehmigung gegen Vorjahresende diskret wieder zurückzog, gibt es zwei Interpretationen. Die Finanzmarktaufsicht hätte, eben wegen der aufklärungsbedürftigen Hypo-Verhältnisse dem Vorhaben ihren Sanktus sowieso verweigert, lautet die eine. Die andere, bankinterne: Die wirtschaftliche Lage Osteuropas sei nicht dazu angetan gewesen, eine Bank ebenda zu gründen.

Verlustverteilung

Das Geschäft mit den beiden abgestürzten Lehman-Papieren (dem Vernehmen nach von 17 auf zwei Mio. Euro) etwa, deren Verbuchung den Managern nun den Bilanzfälschungsvorwurf einträgt, lief über mehrere Stationen. Der Verlust wurde nicht zur Gänze in die Bilanz 2008 gepackt, stattdessen wurden die Papiere überteuert weiterverkauft, im Gegenzug hat die Hypo Investmentbank ihrem Partner eine extrem niedrig verzinste Anleihe abgekauft. Der Verlust sollte so in Jahresraten aufgeteilt werden. Die Aufsicht sieht darin einen Fall der Bilanzmanipulation, die Bank bestreitet das heftig.

Der damalige Rahmen: Die Lage der Bank war Ende 2008 nicht rosig, weitere Abschreibungen konnte man nicht brauchen, man hob stille Reserven, veräußerte Liegenschaften - und fand die originelle Lösung für die fast wertlos gewordenen Lehman-Papiere.

Auf den Plan trat die Wiener Aurelius Capital Management, Spezialistin für hochkomplexe, strukturierte Produkte. Sie gehört indirekt der zypriotischen Cyproservus Co. Limited sowie zu je rund 45 Prozent den Privatstiftungen Schania und Schumpeter Friedmann. (Stifter: die damaligen Aurelius-Chefs, Michael Dirnegger und Hans-Michael Schania.)

Von der Hypo gingen die Geldflüsse also weiter nach Liechtenstein; wo sie in Vaduz bei der Lessika Anstalt landeten, von dort wurden sie an ein Vehikel (Aquarius) der französischen BNP weitergeleitet. Das verkaufte, wie oben beschrieben, der Hypo im Gegenzug die niedrig verzinsten Anleihen (Nominalwert jenseits der 100 Mio. Euro), auf dass man so den Verlust der Hypo über Jahre aufteilen könne.

Die Arbitrage aus dem Geschäft blieb bei jener Lessika hängen; rund eine Million Euro soll es gewesen sein; die Bank verneint, "Provisionen" gezahlt zu haben. Die Frage, wer hinter Lessika (soll auch anderen österreichischen Banken über ihre Bilanzprobleme 2008 hinweg geholfen haben), ist schwer zu klären; Aurelius ist es laut Dirnegger nicht. Mit der Hypo war Aurelius jedenfalls schon länger verbunden; via Darlehen, die die Niederösterreicher gaben, oder Genussscheinkapital.

Dirnegger soll argumentieren, bei der ganzen Angelegenheit nur aus zeitlichen Gründen eingesprungen zu sein; weil sich der bei Banken durchaus übliche "Bilanzstichtagsdeal" mit BNP über den 31.Dezember hinweg verzögert habe. Auch die Gewinne aus dem Geschäft seien weit unter der genannten Million gelegen.


Bilanzprobleme der Hypo NÖ Investmentbank wurden über Liechtenstein gelöst - völlig legal, wird in der landeseigenen Bank betont. Vorstandsmitglied Richard Juill wird seinen Posten angeblich trotzdem räumen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.02.2010)