Der Chef des skandalumwitterten italienischen Telekom-Konzern Fastweb, Stefano Parisi, verteidigt das Unternehmen vor dem Vorwurf der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung. "Fastweb ist gesund, wir sind ein großes Unternehmen mit Qualität, das aus ehrlichen Menschen besteht. Uns mit Italiens größtem Geldwäscheskandal in Verbindung zu bringen, trifft unsere Arbeit und unserem Ruf hart", sagte Parisi in einem Interview mit dem italienischen Radiosender "Radio 24" am Donnerstag.

Im Sog der Geldwäscheermittlungen

Parisi zählt mit Fastweb-Gründer Silvio Scaglia zu den Spitzenmanagern der an der Mailänder Börse notierten Swisscom-Tochter, die in den Sog der Geldwäscheermittlungen geraten ist. Sie werden beschuldigt, zwischen 2003 und 2006 mit fiktiven Käufen und Verkäufen von internationalen Telekom-Dienstleistungen knapp zwei Milliarden Euro in Rechnung gestellt zu haben. Damit hätten sie den Fiskus um 365 Millionen Euro betrogen. Die Ermittlungen betrifft auch die Tochter der Telecom Italia, Telecom Italia Sparkle.

Kein Rücktritt

"Fastweb hat weder Schwarzgelder angesammelt, noch kann sie für Steuerbetrug verantwortlich gemacht werden. Kriminelle Aktionen sind hinter unserem Rücken abgewickelt worden. Wir wissen, dass zwei unserer Mitarbeiter Verbindungen zu kriminellen Organisationen hatten, doch wir wussten es nicht", erklärte Parisi. Trotz der Ermittlungen gegen ihn werde er nicht zurücktreten, sagte der Fastweb-CEO.

Verbindungen zur Mafia

Das international organisierte Geldwäsche-Netz soll laut der römischen Staatsanwaltschaft auch Verbindungen zur 'Ndrangheta, der kalabresischen Mafia, gepflegt haben. In diesem Zusammenhang habe die Organisation die Wahl des Senators Nicola Di Girolamo, Mitglied der Regierungspartei PDL ("Volk der Freiheit") von Regierungschef Silvio Berlusconi, bei den Parlamentswahlen im April 2008 aktiv unterstützt. Di Girolamo soll mit aktiver Unterstützung der 'Ndrangheta zum Senator gewählt worden sein.

Negative Auswirkungen auf Telecom Italia

Der Fastweb-Skandal droht sich negativ auf die Telecom Italia auszuwirken. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Zwangsverwaltung von Telecom Italia Sparkle und ordnete die Konfiszierung von 300 Mio. Euro an liquiden Mitteln im Besitz der Gesellschaft. Telecom Italia musste daraufhin die für Donnerstag angesetzte Veröffentlichung der Bilanz für 2009 verschieben. Der Verwaltungsrat will die Zahlen bei seiner nächsten Sitzung am 25. März freigeben. Die Justizermittlungen belasteten die Aktien von Fastweb und Telecom Italia an der Mailänder Börse stark. Zu Beginn der Verhandlungen am Donnerstagvormittag meldeten die Fastweb-Papiere Kurseinbrüche von bis zu sechs Prozent. Unter Druck gerieten auch die Aktien der Telecom Italia, die ein Minus von 3,21 Prozent meldeten.(APA)