Für den Zweck des Whistleblowings gibt es eigens geschaffenen Abteilungen in manchen Firmen - diese würden aber oft ohne ihr Wissen unterlaufen

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London/Ottweiler - Obwohl kriminelle Machenschaften in großen Unternehmen wie der Telekom oder Siemens in der Vergangenheit durch Tipps von internen Mitarbeitern aufgedeckt werden konnten, hat sich diese Ehrlichkeit in vielen Fällen negativ auf die Karriere der Informanten ausgewirkt. Wie Experten der Universitäten Toronto und Chicago bei der Analyse von 216 US-Betrugs- und Korruptionsskandalen ermittelt haben, mussten sich 82 Prozent der unternehmensinternen Tippgeber, die nicht anonym blieben, entweder einen neuen Job suchen oder wurden versetzt.

Quellenschutz oberste Priorität

"Oberstes Gebot sollte bei der Weitergabe von Informationen sein, dass die Quellen im größtmöglichen Ausmaß geschützt werden. Leider - und dies zeigt die Erhebung - ist dies in vielen Unternehmen nur reine Fassade nach außen", sagt Medard Fuchsgruber, Geschäftsführer der gleichnamigen Wirtschaftsdetektei. Demnach sei nicht unmittelbar den eigens für den Zweck des Whistleblowings geschaffenen Abteilungen die Weitergabe von Informationen vorzuwerfen. Vielmehr würden diese oft ohne ihr Wissen unterlaufen. Ein Schaden für die Informanten sei die Folge.

Das Untersuchungsergebnis der Wissenschaftler ist ernüchternd, denn schließlich haben die im Fachjargon genannten "Whistleblower" beim Melden von kriminellen Vorfällen letztlich mehr zu verlieren als zu gewinnen. Dabei sind vor allem eigene Mitarbeiter die mit Abstand wichtigsten Quellen beim Aufdecken von wirtschaftskriminellen Straftaten. Der demnächst im Journal of Finance erscheinenden Studie "Who Blows the Whistle on Corporate Fraud?" nach stammten in 17 Prozent der Vorfälle die ersten Tathinweise vom eigenen Personal.

Informanten-Reputation von Management abhängig

Die wissenschaftliche Auswertung der Fälle aus den Jahren 1996 bis 2004 - darunter auch die Bilanzskandale um Enron und Worldcom - hat zudem ergeben, dass Whistleblower unter den Beschäftigten deutlich wichtiger sind als die zweitplatzierten Medien, die nur 13 Prozent der Skandale aufdeckten. Mit den verpatzten Karrieren dürfte aber der Anreiz zur Aufklärung von illegalen Vorkommnissen durch interne Mitarbeiter schwinden. "Egal, ob die Informanten an die Medien gehen oder intern Meldung machen: Es ist wichtig, dass diese stets professionell gecoacht werden, um das Risiko zu minimieren", sagt Fuchsgruber.

Doch nicht nur Informanten, sondern auch Wirtschaftsprüfern ergeht es ganz ähnlich. Machen sie einen Skandal öffentlich, dann kündigen die betroffenen Firmen danach in 91 Prozent der Fälle das Mandat. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben es anschließend sehr schwer, andere prominente und nicht zuletzt auch lukrative Arbeitgeber zu finden. "Dies hängt immer davon ab, inwieweit nach einem Skandal intern aufgeräumt und womöglich auch die Führung umgebildet wird", so Fuchsgruber. Davon hänge die künftige Reputation von Informanten ab. (pte)