Wien - Auf beiden Seiten des Atlantiks sind nun Untersuchungen eingeleitet worden, um die Derivatgeschäfte der griechischen Schuldenagentur unter die Lupe zu nehmen. In den USA hat Notenbankchef Ben Bernanke angekündigt, dass seine Institution und die Finanzaufsicht (die Securities and Exchange Commission) die Verträge untersuchen werden. In Europa prüft die Kommission, ob die Fremdwährungsswaps gegen geltendes EU-Recht verstoßen haben.

Die Kommission ist aber ebenso am jüngsten Sparplan aus Athen interessiert. Laut Bericht des Wall Street Journal drängt die EU-Behörde Griechenland derzeit zu schärferen Sparmaßnahmen:Das Ziel von vier Prozent Budgetkonsolidierung (auf eine Neuverschuldung von 8,7 Prozent 2010) werde durch die aktuellen Pläne nicht erreicht. Griechenland plane derzeit nur Einsparungen von rund zwei Milliarden Euro, nötig sei aber rund das Doppelte.

Aufgrund dieser Nachrichten überrascht es nicht, dass griechische Staatsanleihen in den vergangenen Tagen erneut nachgegeben haben. Die Zinsen (sie bewegen sich invers zu den Kursen) von zweijährige Staatsanleihen stiegen auf den höchsten Stand in drei Wochen und liegen viermal so hoch wie noch vor einem halben Jahr, bei knapp 6,5 Prozent.

Wie bei der jüngsten Schwäche des Euros werden für die fallenden Preise griechischer Anleihen Spekulanten verantwortlich gemacht. Doch tatsächlich ist das gehandelte Volumen von Staatspapieren des Landes derzeit eher gering, bestätigen Marktteilnehmer. Ein möglicher Grund dafür:Europas Banken, die ein Gros der Papiere in ihren Büchern stehen haben, sollen sie bei der Europä-ischen Zentralbank (EZB) gebunkert haben.

Dazu kommt, dass griechische Banken im vergangenen Sommer stark von der Liquiditätsspritze der EZB Gebrauch machten und für frisches Geld ihre heimischen Staatspapiere tauschten. Während also deutsche Banken wie Eurohypo oder Deutsche Postbank angekündigt hatten, ihre Griechenlandpositionen nicht mehr auszuweiten, hält Europas Notenbank bis zum Auslaufen der Liquiditätsprogramme immer mehr griechische Anleihen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.2.2010)