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Frankreichs Frederic Michalak verschaffte seiner Mannschaft mit zwei verwandelten Penalties in heikler Phase Erleichterung.

Foto: Reuters

Cardiff - Frankreich machte am Freitag einen weiteren wichtigen Schritt zum Titel bei den Six Nations 2010. In einem grandiosen Match in Cardiff überstanden die Gäste eine sehenswerte Aufholjagd der Waliser und siegten 26:20 - der dritte Erfolg im dritten Spiel. 0:20 stand es zur Halbzeit, da schienen nach einem staubtrockenen Auftritt der Franzosen alle Messen gesungen. Wales taumelte nach Tries von Alexis Palisson und Francois Trinh-Duc , sowie zwei Penalties von Morgan Parra einem üblen Debakel entegen. Dabei war die Leistung der "Drachen" bis dahin gar nicht unbedingt schlecht. Punktuelle Fehlleistungen in der Form abgefangener Passes ermöglichten den Franzosen leichte Punkte.

Wie vor zwei Wochen gegen Schottland bliesen die Waliser nach dem Seitenwechsel zu einem atemberaubenden Marsch und begannen aus scheinbar aussichtsloser Position den Rückstand anzuknabbern. Nach 20 Minuten stand es nur noch 13:20. Als Parra nach einer Gelben Karte auf die Strafbank wanderte, schien ein neuerliches Wunder tatsächlich möglich. Denn die Blauen hatten ihre Ordnung in dieser Phase des Spiels bis zu einem gewissen Grad verloren. Doch gerade in der Phase, als der Gegner mit 14 Mann das Auslangen finden musste, schafften die Waliser trotz aussichtsreicher Positionen (Hook versäumte ein zwingendes Abspiel auf seinen Nebenmann, das so gut wie sicher einen weiteren Try nach sich gezogen hätte) keine weiteren Punkte. Im Gegenteil baute Ersatzmann Frederic Michalak den Vorsprung seines Teams mit zwei Penaltykicks wieder aus.

Wales gab zwar immer noch nicht geschlagen, ein glanzvoller Try von Shane Williams - der 50. für sein Land - kam jedoch zu spät. Sein Solo, bei dem er mit Chabal, Para und Palisson gleich drei Gegne überlief, war nichtsdestotrotz einer der Höhepunkte des Abends.

"Wir haben spielerisch viel versucht, Frankreich kam während des gesamten Spiels nie wirklich gefährlich an unsere Linie heran", haderte Coach Warren Gatland. "Wir kamen eigentlich kaum unter Druck, müssen aber endlich damit aufhören den Selbstzerstörungsknopf zu drücken." Tabellenführer Frankreich kann nun mit Heimsiegen gegen England und Italien seinen ersten Titel seit 2007 (und den ersten Grand Slam seit 2006) gewinnen.

Der Unterschied hieß Canavosio

Der Samstag brachte dann einen raren Augenblick der Freude für die Italiener. Pablo Canavosio hieß der Heros im Stadio Flamini zu Rom, denn er war es, dem der einzige Try im Match gegen Schottland gelang - und dieser war nicht unwesentlich für den 16:12 (6:6)-Erfolg für die Azzurri. Nach ihrem ersten Sieg bei den Six Nations seit zwei Jahren, stehen die Aussichten nun nicht schlecht, wieder einmal dem letzten Platz zu entgehen. Dieser - und damit einhergehend die sprichwörtliche Loser-Tropähe des Wooden Spoon - droht nach bisher drei Niederlagen nun den Schotten. Dabei waren die nach längerer Zeit endlich wieder mit gewissen Hoffnungen ins Turnier gestartet.

Canavosios Moment kam in der 67. Minute, als er einen gelungenen Konter über Canale ebenso finalisierte. Die restlichen Punkte steuerte wie gewohnt Mirco Bergamasco mit seinen Kicks bei. Die Schotten wurden gegen ihren Angstgegner auch vom Pech befallen. Zwei Mal arbeiteten sie in der zweiten Halbzeit den Ball über die Linie - nur um vom Video-Referee mitgeteilt zu bekommen, dass dieser nicht in der vorgeschriebenen Weise den Boden geküsst habe. In ihren noch ausständigen Partien treffen die Schotten noch zu Hause auf England und in Dublin auf die Iren. Punktezuwachs scheint da eher unwahrscheinlich.

Abgeschlossen wurde der dritte Spieltag mit dem Schlager England gegen Irland abgeschlossen. Und der in Twickenham gastierende Titelverteidiger brachte den Engländern mit einem 16:20 die erste Niederlage des Turniers bei. In einer hart umkämpften Auseinandersetzung sorgte ein zweiter Try des raketengleich durch die britischen Defensivreihen sausenden Tommy Bowe in der 74. Minute für die Entscheidung. Kurz zuvor hatte Jonny Wilkinson die Engländer zum ersten Mal im Spiel in Führung gekickt. Diese mausern sich langsam aber sicher zum Lieblingsgegner für die Männer in Grün, die in den letzten sieben Vergleichen gleich sechs Mal das bessere Ende für sich hatten und sich auch die Chance auf den erneuten Turniergewinn erhielten.  (rob/Reuters)

Ergebnisse:
Wales - Frankreich 20:26 (0:20). Cardiff, Millennium Stadium.

Wales: Try: Leigh Halfpenny, Shane Williams; Conversions: Stephen Jones (2); Penalties: Jones (2)

Frankreich: Tries: Alexis Palisson, Francois Trinh-Duc; Conversions: Morgan Parra (2); Penalties: Parra (3), Frederic Michalak

Wales: 15-Lee Byrne, 14-Leigh Halfpenny, 13-James Hook, 12-Jamie Roberts, 11-Shane Williams, 10-Stephen Jones, 9-Richard Rees; 8-Ryan Jones (Captain), 7-Martyn Williams, 6-Jonathan Thomas, 5-Deiniol Jones (18-Luke Charteris 24), 4-Bradley Davies, 3-Adam Jones, 2-Huw Bennett, 1-Paul James

Frankreich: 15-Clement Poitrenaud (22-Marc Andreu 74), 14-Julien Malzieu, 13-Mathieu Bastareaud (21-David Marty 69), 12-Yannick Jauzion, 11-Alexis Palisson, 10-Francois Trinh-Duc (20-Frederic Michalak 63), 9-Morgan Parra, 8-Imanol Harinordoquy (19-Alexandre Lapandry 69), 7-Julien Bonnaire, 6-Thierry Dusautoir (Captain), 5-Julien Pierre (18-Sebastien Chabal 63), 4-Lionel Nallet, 3-Nicolas Mas, 2-William Servat (16-Dimitri Szarzewski 52), 1-Thomas Domingo (17-Jean-Baptiste Poux 54)

England - Irland 16:20 (6:8)

England - Try: Dan Cole; Conversion: Jonny Wilkinson; Penalties: Wilkinson (2); Drop goal: Wilkinson

Irland - Tries: Tommy Bowe (2), Keith Earls; Conversion: Ronan O'Gara; Penalty: Jonathan Sexton

Italien - Schottland 16:12 (6:6)