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US-Soldat bewacht afghanische Gefangene.

Foto: Reuters

Washington/Kabul - Die US-Truppen planen eine weitere Großoffensive in Afghanistan. Nach der vor zwei Wochen begonnenen Anti-Taliban-Operation in der südlichen Provinz Helmand stehe auch ein Angriff auf die Taliban-Hochburg Kandahar bevor, berichtete die "New York Times" (Freitag) unter Berufung auf Regierungsbeamte. Die Offensive sei für die nächsten Monate geplant. Einzelheiten wurden nicht genannt. US-General David Petraeus hatte angekündigt, die Operation in Marjah sei lediglich "die erste Salve". Die Verfolgung der islamistischen Aufständischen werde vermutlich 12 bis 18 Monate dauern. Kandahar ist die zweitgrößte Stadt Afghanistans und gilt ebenso wie die gleichnamige Provinz als Taliban-Hochburg.

Letzte Widerstandsnester besiegt

US-Soldaten haben inzwischen nach eigenen Angaben die letzten Widerstandsnester in Marjah beseitigt. "Im Grunde kann man sagen, dass Marjah jetzt gesäubert ist", sagte US-Hauptmann Joshua Winfrey am Samstag. Zuvor waren US-Marineinfanteristen und afghanische Soldaten, die im Zentrum von Marjah kämpften, zu ihren am Nordrand der Stadt stationierten Kameraden vorgestoßen. Dabei stießen sie zuletzt kaum noch auf Widerstand. Die afghanische Regierung hatte am Donnerstag offiziell die Kontrolle über Marjah übernommen.

Afghanen kontrollieren Militärgefängnis Bagram

Die USA übergeben die wiederholt angekündigte Kontrolle über das berüchtigte Militärgefängnis Bagram an die afghanischen Behörden. Der Prozess zur Übernahme der Verantwortung habe begonnen, sagte Vize-Justizminister Mohammed Kasim Hashimsai am Samstag in Kabul. US-Medien wie die "New York Times" hatten von schweren Misshandlungen und Folter in dem Internierungslager berichtet, das sich auf einem US-Militärstützpunkt nahe Kabul befindet und von Menschenrechtsverfechtern immer wieder scharf kritisiert worden ist. Im November war das Bagram-Gefängnis unter dem Namen Haftanstalt Parwan neu eröffnet worden. Von 2005 bis 2009 hatte sich die Anzahl der Gefangenen mehr als versechsfacht. Kritiker nannten die Zustände in Bagram wesentlich schlechter als in Guantánamo, die Häftlinge würden zu Dutzenden in großen von Stacheldraht umgebenen Gehegen festgehalten. Im Jänner 2011 soll die Haftanstalt komplett in afghanischen Händen sein. Zuvor will die US-Armee 300 afghanische Soldaten zu Wächtern ausbilden. Hashimsai nannte Parwan ein "Mustergefängnis". (APA)