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Der bekannteste und gefürchtetste Bewohner unseres Darmbakterienzoos: E. Coli.

Foto: REUTERS/Eric Erbe/Colorization by Christopher Pooley/U.S. Department of Agriculture/Agricultural Research Service

London/Wien - Von all dem genetischen Material, das wir Menschen mit uns herumtragen, sind nicht einmal ein Prozent menschlich. Der große Rest stammt von Bakterien und andere Mikroorganismen. Insgesamt wird allein die Menge der uns besiedelnden Bakterien auf rund 100.000 Milliarden geschätzt. Das ist in etwa das Zehnfache der Anzahl unserer menschlichen Körperzellen.

Nun hat sich ein internationales Forscherteam in aller Gründlichkeit angeschaut, was sich so in unseren Därmen herumtreibt: Jun Wang von der Universität Kopenhagen und seine Mitarbeiter haben dazu aus Stuhlproben von insgesamt 124 teils gesunden, teils übergewichtigen, teils chronischen darmkranken Personen das Bakterienerbgut isoliert und in einem zweiten Schritt sequenziert.

Die Forscher stießen bei ihren Analysen, die das 50-fache der Informationsmenge von Wikipedia lieferten, auf rund 3,3 Millionen verschiedene Gene. Zum Vergleich: der Mensch selbst hat nur rund 25.000. Mehr als 99 Prozent der Gene ließen sich der Gruppe der Bakterien zuordnen, der verbleibende kleine Rest entfiel auf andere Mikroorganismen.

Darmbakterien helfen dabei, die Nahrung aufzuspalten und so dem Körper die einzelnen Nährstoffe zur Verfügung zu stellen. Sie sind darüber hinaus an der Abwehr von Viren, Pilzen oder krankmachenden Bakterien beteiligt. Wird das Gleichgewicht der Darmflora zum Beispiel durch falsche Ernährung oder Medikamente durcheinandergebracht, kann dies die Gesundheit erheblich beeinträchtigen.

Insgesamt entdeckten die Forscher bei dieser so genannten Metagenom-Analyse zwischen 1000 und 1150 verschiedene Bakterienarten, von denen wiederum 75 bei mehr als der Hälfte der Probanden gefunden wurden, immerhin noch 57 Arten bei mehr als 90 Prozent. Laut den Analysen beherbergt jeder Mensch mindestens 160 verschiedene Bakterienarten in seinem Darm. Ein Großteil davon ist demgemäß bei den meisten Menschen ähnlich, wie die Forscher in der neuen Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Nature" (Bd. 464, S. 59) schreiben.

Die Untersuchung des bakteriellen Erbguts sei laut den Wissenschaftern eine wichtige Voraussetzung, um den Einfluss der Darmflora auf die Gesundheit des Menschen besser zu verstehen. So zeigte sich, dass Menschen, die unter einer chronischen Darmerkrankung leiden, rund 25 Prozent weniger Gene im Darm fanden als bei den gesunden Probanden. Das bestätigte die Beobachtung, dass chronisch Darmkranke eine geringere Vielfalt an Darmbakterien besitzen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 4. 3. 2010)