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Hannelore Kraft will die Wahl in Nordrhein-Westfalen gewinnen.

Foto: AP/Brenneken

Die Schrecksekunde dauerte ein paar Stunden, aber dann war sich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sicher: Der Vorschlag, Langzeitarbeitslose zum Straßenkehren einzusetzen, sei gut, denn dann könnten sich Menschen ohne Job "trotzdem sinnvoll einbringen". Deshalb gebe es im SPD-Vorstand auch "breite Zustimmung" für den Vorschlag der nordrhein-westfälischen SPD-Chefin Hannelore Kraft, die auch Vizechefin der Bundespartei ist und im Mai Jürgen Rüttgers (CDU) als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ablösen will.

Kraft erklärt im dieswöchigen Spiegel: "Wir müssen ehrlich sein: Rund ein Viertel unserer Langzeitarbeitslosen wird nie mehr einen regulären Job finden." Diese Menschen sollten gegen symbolische Bezahlung Straßen säubern, Senioren oder Kindern vorlesen.

Doch hinter den Kulissen herrscht bei der SPD einige Aufregung nach dem Motto: Das riecht nach Westerwelle. Schließlich war der FDP-Chef gerade kritisiert worden, weil er Langzeitarbeitslose zum Schneeschaufeln einteilen wollte.

Auch Kraft muss sich von Linken, dem CDU-Sozialflügel und den Gewerkschaften einige Vorhaltungen machen lassen. Sie gebe Langzeitarbeitslose einfach auf, wolle diese auf einen zweiten, schlecht bezahlten Arbeitsmarkt drängen. Der designierte Linken-Chef Klaus Ernst erklärte, wer solchen Ideen anhänge, sei für die Linke kein Gesprächspartner mehr. Zwei Monate vor der Landtagswahl hat in Umfragen weder das regierende schwarz-gelbe Bündnis eine Mehrheit, noch Rot-Grün. Um regieren zu können, bräuchte Kraft die Linkspartei. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2010)