Einen Praktikumsplatz zu ergattern wird immer schwieriger. Ehrenamtliche Jobs sind eine Alternative - zumindest für Studierende ohne Existenzsorgen

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Studiosi, die auf Kosten der Eltern studieren, ihr Studium ambitionslos (aber in Mindestzeit) abschließen und sich dann einen Job suchen, haben gute Chancen. Aber nur auf Aufnahme in die Statistik arbeitsloser Akademiker. "Wir raten immer wieder dazu, Berufserfahrung zu sammeln, möglichst viele und fachspezifische Praktika zu absolvieren", so Sylvia Enzendorfer vom Zentrum für Berufsplanung (zbp) der WU Wien. Allerdings stehe der steigenden Nachfrage der Studierenden hier ein sinkendes Angebot gegenüber: "Entsprechend der Arbeitsmarktsituation ist auch die Anzahl der Praktikumsplätze zurückgegangen." Dadurch steige die Konkurrenz unter den Bewerbern.

Diesen Trend bestätigt man auch in der Wirtschaftskammer. Und am Career-Center der Uni Wien beobachtet Elisabeth Punzengruber: "Es suchen derzeit sehr, sehr viele Studierende Praktika und finden keine." Das Angebot habe deutlich abgenommen, vor allem im Consultingbereich. Man müsse sich frühzeitig um ein Praktikum bemühen - beispielsweise bereits jetzt für nächstes Jahr.

Unbezahlte Volontariate

Geboten werden neben den Praktika der Unternehmen auch unbezahlte Volontariate. Empfehlenswert - und entsprechend begehrt - sind hier auch die internationalen, beispielsweise in EU-Institutionen oder der UNO (siehe Webtipps). Und, so Enzendorfer: "In der derzeitigen Situation ist Erfahrung wichtiger als monetäre Aspekte."

Internationale Praktika werden aber auch über Organisationen wie AIESEC oder IAESTE vermittelt. Wer die Vorauswahl schafft, hat einen sicheren Praktikumsplatz - allerdings ist die Latte hoch gelegt. Neben dem Abschluss des ersten Studienabschnittes müssen die Studierenden exzellentes Englisch mitbringen. "Sowie Offenheit und Flexibilität", betont Vivek Velamuri von AIESEC Austria: Die Studierenden suchen sich die Sprache aus, nicht aber das Zielland; Startzeitpunkt und Dauer des Aufenthaltes sind unterschiedlich.

60 bis 70 Studenten erhalten diese Chance pro Jahr - etwa ein Drittel der Bewerber. Davon absolvieren die meisten - etwa drei Viertel - ein Wirtschaftspraktikum in einer Firma. Dabei sind die Lebenskosten mit einem Minimumeinkommen von 730 Euro pro Monat gedeckt; die Reisekosten müssen die Studierenden selbst tragen. Das restliche Viertel der AIESEC-Studenten arbeitet an Entwicklungsprogrammen mit, beispielsweise beim Hausbau in Katastrophengebieten. Obwohl dies die Studierenden komplett selbst finanzieren müssen, sei auch hier das Interesse rege, sagt Velamuri, vor allem unter den Geisteswissenschaftern der Hauptuni.

Abseits des Profits

Schließlich kann sich auch das in einem Lebenslauf gut machen. Obwohl: "Ich würde es mal so sagen - eine renommierte Consultingfirma wird Sie nicht ausschließlich deswegen nehmen", sagt Enzendorfer vom zbp. Doch schließlich gebe es interessante Jobs im NGO-Bereich oder im Umweltmanagement.

Über derartige Angebote konnten sich die Studenten des Juridicum vergangenen Mittwoch in Wien auf der Messe "Alternative Success" informieren: "Wir wollen damit gerade für Juristen auf Möglichkeiten außerhalb der klassischen Profit-Bereiche aufmerksam machen", so Dominik Gries vom Verband Sozialistischer StudentInnen. Mit Vorträgen von Amnesty International, Greenpeace, dem UNHCR und anderen NGOs. Wer in diesem Bereich Fuß fassen will, für den sind ehrenamtliche Tätigkeiten während des Studiums mit Sicherheit ein Pluspunkt. Wenn man es sich leisten kann. Denn schließlich arbeiten viele Studenten nicht aus Gründen des Praxiserwerbs, sondern der Existenzsicherung. (Heidi Weinhäupl, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.4.2003)