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Foto: REUTERS/Herwig Prammer

Mein Sohn hatte einen Erzieher, der frisch vom Militär kam, dementsprechend war sein pädagogischer Touch. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass in diesem Verein die Kinder "verkauft" werden. Mit dieser Ansicht stand ich natürlich alleine da. Ein Großteil der Eltern war gegen mich, ich bekam sogar Drohanrufe. In einem vorgeladenen Gespräch mit den Herren Tautschnig sen. und jun. wurde mir sehr deutlich, dass man, wie die Sänger ihr Silentium vor Konzerten, zu schweigen hat.

Mein Sohn fuhr auf Tournee. Jegliche Post wurde vorher durchgelesen, Kontakt mit dem eigenen Kind, auch wenn es krank wurde, war verboten. Mein Sohn vertrug das amerikanische Essen nicht, wurde daher oft gezwungen zu essen. Mit der Folge, dass er bei einem Konzert auf der Bühne in seine Sängerknabenkappe kotzte. Ich denke, der für die Veranstalter peinliche Vorfall ("ihr Sohn hat Schande über den Chor gebracht") hat natürlich einen psychologischen Hintergrund. Wegen ungebührenden Verhaltens wurde mein Sohn in Washington D.C. mehrmals alleine um den Hotelblock geschickt, in einer fremden Stadt!

Der Chor musste vor einem sterbenden Kind singen, achtjährige Kinder sind in so einer Situation überfordert, vor allem wenn der Erzieher erklärt "der stirbt eh bald". Mein Sohn erzählte mir, dass sein Zimmerkollege von älteren Sängerknaben gehalten und mit Schuhpaste eingecremt wurde. Die Erzieher wussten davon.

Mein Sohn kam von der Tournee völlig verstört, ungepflegt, mit schulterlangen Haaren und abgemagert zurück. Die Konsequenz war natürlich, dass ich ihn nach Bekanntwerden der Vorfälle sofort aus dem Verein herausnahm. Mein Sohn musste in Therapie gehen, bekam Essstörungen. Die Liebe zur Musik wurde ihm ziemlich vergällt. (29.3.2010)