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Kardinal Christoph Schönborn sieht die "Erschütterung" der Kirche, als "Chance für einen Gestaltswandel". "Es ist zu viel Kirche im Raum - und zu wenig Jesus", erklärte der Wiener Erzbischof schon im Vorfeld des Buß-Gottesdienstes. Der Kardinal fordert Geistliche, die einen Missbrauch beobachtet haben, auf, aktiv zu werden. Zugleich fordere er Priester auf, sich der Justiz zu stellen.

Foto: APA/Roland Schlager

Wien - Gut 3.000 Besucher waren zum Buß- und Klagegottesdienst anlässlich der Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche am Mittwoch in den Wiener Stephansdom gekommen. Die Veranstaltung wurde von gut einem Dutzend Polizeibeamten überwacht. Das Leitmotiv der Messe lautete "Ich bin wütend, Gott!". Vor Schönborns Predigt und Schuldbekenntnis wurden Texte von Missbrauchs-Betroffenen vorgelesen. Mit einem Schuldbekenntnis im Namen der Kirche antwortete Kardinal Christoph Schönborn dann auf die Missbrauchsfälle.

"Wir, Gottes Volk, seine Kirche, tragen miteinander an dieser Schuld", lautete die Kernbotschaft des Schuldbekenntnisses, das Schönborn gemeinsam mit der Theologin und Publizistin Veronika Jagenteufel vortrug. Man habe "die Leiblichkeit" nicht wertgeschätzt und sei an der Aufgabe, "Sexualität gut zu leben", gescheitert. "Einige von uns haben sexuelle Gewalt angewendet", so Schönborn. "Wir haben vertuscht und ein falsches Zeugnis gegeben".

Schönborn betonte in seiner Predigt: "In dieser Stunde sind Predigtworte daneben, sie können nur peinlich werden, oft verletzend sein. Schweigen wäre angebracht." Aber, in letzter Zeit sei in der Kirche vieles aufgebrochen. Es werde nun zwar weniger weggeschaut, "aber es bleibt viel zu tun". Es sei eine schmerzliche Erfahrung für die Kirche. "Aber was ist dieser Schmerz im Vergleich des Schmerzes der Opfer", so Schönborn.

Schönborn bezeichnete den Bußgottesdienst danach vor Journalisten als "sehr stimmig". Die ganze Not der Opfer sei vor Gott hingetragen worden. Lob gab es auch für die Kritiker von "Wir sind Kirche". Diese hätten die Liturgie "sehr gut, sehr einfühlsam vorbereitet". Es sei allerdings klar, dass es bei der Veranstaltung nicht um klare Lösungen habe gehen können. Diese gehörten in die bereits bestehenden oder noch geplanten Institutionen, die sich damit befassen.

Zwischenfälle gab es bei dem Bußgottesdienst, bei dem sogar uniformierte Polizisten für Sicherheit sorgten, keine. (APA)