Weltweit sinkt die Zahl der Todesurteile. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: So genau lässt sich das eigentlich nicht sagen. Denn offizielle Zahlen aus jenem Land, in dem mit Abstand die meisten Hinrichtungen stattfinden, fehlen, weshalb China heuer aus der Statistik der Menschenrechtsorganisation fiel. 2008 schrieb Amnesty der Volksrepublik 1700 Hinrichtungen zu - ein Vielfaches jener Länder, die in der Statistik auf den nächsten Rängen folgten.

Das könnte China eigentlich nur recht sein, hat es doch auch bisher absolut nichts dazu getan, Amnestys Musterschüler in puncto Datenlieferung für diese Statistik zu werden. Im Gegenteil: Was die Intransparenz der Justiz fördert, scheint der Volksrepublik gerade recht zu sein.

Dass nicht nur Menschenrechtler sich da mit ihrer Kritik die Zähne ausbeißen, sondern auch der Druck mehrerer Staaten nichts daran ändert, war zuletzt im Dezember 2009 zu beobachten, als Peking in Europa für Entrüstung sorgte, weil es einen Briten hinrichten ließ. Nicht nur das Urteil selbst sorgte international für Empörung, sondern auch die mangelnde Transparenz bei den Entscheidungen der Richter in dem Land. Mit welcher Wirkung? Keiner.

Solange dieses Mauern dem Staat zum Machterhalt dient, wird sich daran wohl nichts ändern. Leider auch nicht der Rausschmiss aus einer Statistik, für die das Land so gar nichts übrig hat. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2010)